Posted in: Biologie 29. Juni 2010 01:01 Weiter lesen →

Keine Nachtschicht bei Hummeln

Foto zeigt zwei Hummeln mit dichtem, schwarz-gelbem Pelz, je ein winziges schimmerndes Kästchen auf dem Rücken Selbst wenn es ausreichend hell ist, sind Hummeln nicht 24 Stunden am Tag aktiv. Das haben zwei Londoner Biologen bei Versuchen in der skandinavischen Mitternachtssonne beobachtet. Offenbar haben die sonst so emsigen Insekten zwischenzeitlich Besseres zu tun als Nahrung zu sammeln – beispielsweise schlafen oder die Brut warm halten.

Foto: Stelzer und Chittka/BMC Biology

Dieses Resultat sei umso bemerkenswerter, als Hummeln in südlicheren Gefilden normalerweise sehr früh am Tag mit dem Sammeln begännen und erst spät damit aufhörten, erläutern Ralph Stelzer und Lars Chittka vom Queen Mary College der University of London. „Kontinuierliches Tageslicht sollte ihren Sammlerinnen die einzigartige Gelegenheit eröffnen, den Sammelertrag und damit das Wachstum der Kolonie zu maximieren.“

Stelzer und Chittka führten ihre Experimente mit zwei Völkern der Erdhummel (Bombus terrestris) durch, die sie zu einer finnischen Forschungsstation jenseits des nördlichen Polarkreises gebracht hatten. Die Tiere trugen winzige, individuell codierte Funkchips auf dem Rücken, sodass ihr Kommen und Gehen mit einem Lesegerät am Nesteingang verfolgt werden konnte. Die mehrtägigen Aktivitätsprotokolle von 381 Sammlerinnen zeigten, dass die Tiere zwischen 1 Uhr nachts und 6 Uhr morgens im Nest blieben, obwohl die Sonne weiterhin am Himmel stand.

Ähnliche Resultate lieferte die Beobachtung von Ackerhummeln (Bombus pascuorum), die im hohen Norden Finnlands natürlicherweise vorkommen. Bei Rentieren ist dagegen beobachtet worden, dass sie während des Polartages ihren normalen Tag-Nacht-Rhythmus verlieren.

Offenbar ist für die Insekten vorteilhafter, die „Nachtstunden“ des Polartages im Nest zu verbringen, folgern die beiden Forscher im Fachblatt „BMC Biology“. Eine mögliche Erklärung sei, dass bei den kühlen Temperaturen in diesen Stunden jede Sammlerin benötigt werde, um die heranwachsende Brut zu wärmen. Vielleicht brauchten Hummeln – ähnlich Honigbienen – aber auch einfach eine Mütze Schlaf, um am Tag erworbene Information zu behalten.

Forschung: Ralph J. Stelzer und Lars Chittka, School of Biological and Chemical Sciences, Queen Mary University of London

Veröffentlichung BMC Biology, 29. Juni 2010

WWW:
Bee Sensory and Behavioural Ecology Lab, Lars Chittka
Kilpisjärvi Biological Station
Fakten über Hummeln
Circadiane Rhythmen
Mitternachtssonne

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