Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 24. Juni 2010 13:40 Weiter lesen →

Kühles Klima, kurzer Schnabel

Foto zeigt einen Riesentukan mit schwarzem Gefieder, weißer Kehle und gelb-orangerotem Schnabel, der fast so lang ist wie der Rumpf des Tieres Wie einem Vogel der Schnabel wächst, hängt nicht allein von seiner bevorzugten Nahrung ab. Entsprechende Resultate haben zwei kanadische und australische Zoologen bei der Analyse der Schnabelgrößen verschiedener Vogelarten erhalten. In kühleren Regionen heimische Vögel haben demnach tendenziell kleinere Schnäbel – vermutlich, weil sie so besser mit ihrer Körperwärme haushalten können.

Foto: Glenn Tattersall

Die neuen Resultate stützten die Ansicht, dass dem Schnabel der Vögel eine wichtige Rolle bei der Wärmeregulation zukomme, erklärt Glenn Tattersall von der kanadischen Brock University. „Im Gegensatz zum Menschen schwitzen sie nicht. Dafür können sie jedoch ihren Schnabel nutzten, um eine Überhitzung des Körpers zu vermeiden.“ Dies bedeute wiederum, dass bei kühleren Temperaturen ein kleinerer Schnabel günstiger sei – vergleichbar der eher kompakten Statur von Säugetieren in höheren Breiten.

Erst kürzlich hatten Tattersall und Kollegen zeigen können, dass die in den Tropen heimischen Tukane viel überschüssige Wärme über ihren riesenhaften, gut durchbluteten Schnabel abgeben können. Gemeinsam mit Matthew Symonds von der Universität Melbourne ging der Forscher nun der Frage nach, ob und in welchem Maße die Evolution des Vogelschnabels durch das Klima beeinflusst worden ist.

Die beiden Zoologen betrachteten dazu 214 Vogelarten aus den unterschiedlichsten Familien – neben Tukanen etwa auch Papageien, Pinguine, Prachtfinken und Möwen. Tatsächlich zeigte sich ein klarer Einfluss der Umgebungsbedingungen, berichten die Forscher im Fachblatt „American Naturalist“: Mit steigender geographischer Breite und Höhe über dem Meeresspiegel und entsprechend sinkender Temperatur neigen alle Gruppen zu kürzeren Schnäbeln.

„Es ist zwar vorstellbar, dass die Evolution große Schnäbel hervorgebracht hat, um in heißen Klimata mehr Wärme abstrahlen und eine Überhitzung vermeiden zu können“, so Tattersall weiter. In der Gegenrichtung könnte der Zwang jedoch mindestens ebenso stark sein, sodass niedrige Temperaturen letztlich eine Obergrenze für die Größe des Vogelschnabels setzten. „In einer kühlen Umgebung könnte es schlicht zu kostspielig sein, einen großen Wärmeabstrahler mit sich herumzutragen.“

Forschung: Matthew R. E. Symonds, Department of Zoology, University of Melbourne, und Glenn J. Tattersall, Department of Biological Sciences, Brock University, St. Catharines

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 176, August 2010

WWW:
Animal Evolution and Behaviour, University of Melbourne
Tattersall Lab, Brock University
Bergmansche und Allensche Regel
Characters of the Bill

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Tukan mit Schnabelkühlung
Kormorane heizen gegen den Winter an


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2 Kommentare zu "Kühles Klima, kurzer Schnabel"

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  1. Jacobasch /Redaktion sagt:

    Wie man schon am Datum sieht, erschien die Geschichte bei uns 24 Stunden früher. Im Zweifelsfall haben sich die Kollegen der SZ aber wohl (u.a.) hier bedient: http://www.eurekalert.org/pub_releases/2010-06/uom-brt062310.php