Posted in: Archäologie, Geschichte, Medizin 23. Juni 2010 13:01 Weiter lesen →

Tutanchamun: Zweifel an Todesursache

Der Fall Tutanchamun ist nach wie vor offen, glauben Hamburger Wissenschaftler. Ihrer Ansicht nach sprechen kürzlich vorgestellte Untersuchungsergebnisse nicht zwingend für die Malaria als Todesursache. Vielmehr ließen sich die Befunde auch durch die Sichelzellkrankheit schlüssig erklären.

Totenmaske des Tutanchamun aus dem Ägyptischen Museum Kairo. Foto: Michael Reeve /Wikipedia, unter Creative Commons

Diese Vermutung dürfte anhand des vorhandenen DNA-Materials leicht zu überprüfen sein, glauben Christian Timmann und Christian Meyer vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Die von der Gruppe um den Ägyptologen Zahi Hawass aufgestellte These, der junge Pharao sei an der Malaria in Verbindung mit einer generell schwachen Konstitution gestorben, halten sie jedenfalls für wenig plausibel.

Hawass und Kollegen hatten DNA-Analysen und Computertomografien an den Mumien Tutanchamuns und mehrerer mutmaßlicher Verwandter durchgeführt und die Resultate kürzlich im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht. Demnach litt der legendäre Pharao unter anderem an schmerzhaften Läsionen des Fußskeletts, zudem enthielt sein Körper DNA des Malariaerregers Plasmodium falciparum.

Die daraus abgeleitete Todesursache überzeugt Timmann und Meyer allerdings nicht. In einem Kommentar, den die Fachzeitschrift nun zusammen mit weiteren kritischen Reaktionen veröffentlicht hat, weisen sie auf eine alternative Interpretation der Befunde hin. Die beobachteten Knochenveränderungen können demnach auf die Sichelzellkrankheit und die resultierende Mangelversorgung des Knochengewebes mit Sauerstoff zurückgehen.

„Tropenmedizinern ist außerdem bekannt, dass in Malariagebieten Todesfälle aufgrund von Malaria meist im Kindesalter auftreten“, so Timmann weiter. Tutanchamun sei dagegen erst im jungen Erwachsenenalter von 18 bis 19 Jahren gestorben. Für die Sichelzellkrankheit spreche wiederum, dass die Eltern des Pharaos vermutlich Geschwister gewesen seien. Dies erhöhe die Chance, dass Tutanchamun von beiden Elternteilen die entsprechende Anlage geerbt habe.

Forschung: Christian Timmann und Christian G. Meyer, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg; und andere

Veröffentlichung JAMA, Vol. 303(24), 23./30. Juni 2010

WWW:
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Zahi Hawass: Discovery of the Family Secrets of Tutankhamun
Malaria and the Red Cell
Tutanchamun

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Sichelzellanlage schützt vor Malaria
Alte Ägypter mit Zivilisationskrankheit


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