So kurz wie möglich, so lang wie nötig
23. Juni 2010 01:01 Drucken
Wenn Affen miteinander kommunizieren, liegt die Würze nicht unbedingt in der Kürze. Das haben englische und brasilianische Biologen am Beispiel zweier Affenarten ermittelt. Zwar sind kurze Lautäußerungen bei den Tieren tendenziell häufiger als längere. Neben der Ökonomie spielt letztlich aber auch die jeweilige Funktion eine Rolle.
Foto: Bruna Bezerra
Als Resultat können sich Rufe verschiedener Funktion in ihrer Länge stark unterscheiden, schreiben die Forscher um Bruna Bezerra und Gareth Jones von der Universität Bristol. So produzieren von ihrer Gruppe isolierte Äffchen Laute, die sich mit einer Länge von 1,5 Sekunden gut orten lassen. Von wachsamen oder spielenden Tieren abgegebene Laute sind dagegen mit 0,1 Sekunden sehr kurz.
Bezerra, Jones und Kollegen analysierten Aufnahmen von südamerikanischen Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus) und Schwarzgesicht-Uakaris (Cacajao melanocephalus). Die in teils sehr großen Gruppen lebenden Äffchen produzieren mindestens 13 bzw. 9 verschiedene Lauttypen unterschiedlicher Länge. Anhand des fast 50 Stunden umfassenden Tonmaterials bestimmten die Forscher, wie häufig diese Laute jeweils sind.
Bei beiden Spezies waren relativ kurze Laute zwar mit Abstand am häufigsten, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Biology Letters”. Stets gab es jedoch einen oder mehrere kürzere, allerdings weniger häufige Laute. Dieses Resultat widerlege das “Gesetz der Kürze”, das eine andere Forschergruppe erst kürzlich aus Lautäußerungen von Makaken (Macaca cyclopis) abgeleitet hatte, so Bezerra, Jones und Kollegen: “Kürze ist bis zu einem gewissen Punkt begünstigt. Die mit sehr kurzen Signalen verknüpften Kosten begrenzen jedoch ihre Verwendung im Lautrepertoire.”
Forschung: Bruna M. Bezerra, Andrew N. Radford und Gareth Jones, School of Biological Sciences, University of Bristol; Antonio S. Souto, Departamento de Zoologia, Universidade Federal de Pernambuco, Recife
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2010.0455
WWW:
Bat Ecology and Bioacoustics Lab, University of Bristol
Departamento de Zoologia, UFPE
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