Posted in: Genetik, Medizin 17. Juni 2010 18:00 Weiter lesen →

Der Mensch nahm die Malaria aus Afrika mit

Mikroskopaufnahme zeigt Rote Blutkörperchen als blass-rosafarbene Kugeln, in und zwischen ihnen dunkelblau gefärbte, ring- bzw. spindelförmige Plasmodien Als der moderne Mensch aus Afrika auszog, nahm er die Malaria mit. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe nach der Untersuchung von mehr als 500 Isolaten aus allen Teilen der Tropen. Die genetische Vielfalt der Malariaerreger sinkt demnach mit der Entfernung von den großen ostafrikanischen Seen – ein Muster, das sich auch im menschlichen Erbgut wiederfindet.

Reife und Vermehrungsstadien von Plasmodium falciparum (blau) zwischen und in Roten Blutkörperchen (blassrosa) eines Patienten. Bild: CDC/Steven Glenn, Laboratory & Consultation Division

Die zeitliche Dimension passt ebenfalls zu einer uralten Verbindung zwischen Homo sapiens und dem Malariaerreger Plasmodium falciparum, ermittelte die Gruppe um Kazuyuki Tanabe von der Universität Osaka und Francois Balloux vom Imperial College London. Der letzte gemeinsame Ahn der heutigen Erregerstämme dürfte vor 60.000 bis 80.000 Jahren gelebt haben, schreiben die Forscher im Fachblatt „Current Biology“.

„Die meisten jüngeren Arbeiten zur Ausbreitung der Malaria im Tropengürtel gehen von der Annahme aus, dass die Krankheit zeitgleich mit der Entwicklung der Landwirtschaft vor rund 10.000 Jahren auftauchte“, erläutert Balloux. Auf Basis der neuen Resultate sei diese Hypothese nicht mehr haltbar. Vielmehr müssten die Plasmodien ihren Siegeszug schon vor der Migration des Menschen aus seiner ostafrikanischen Wiege angetreten haben. Heute gehen schätzungsweise 230 Millionen Erkrankungsfälle und mindestens eine Million Todesfälle pro Jahr auf das Konto der durch Stechmücken übertragenen, einzelligen Parasiten.

Tanabe, Balloux und Kollegen gingen der Frage nach, wie es um die genetische Vielfalt des Erregers Plasmodium falciparum in verschiedenen Teilen der Welt steht. Dieser Faktor ist unter anderem für die Effektivität von Malariamitteln und Impfstoffen von großer Bedeutung. Die Wissenschaftler sequenzierten daher zwei Gene, die im Stoffwechsel des Parasiten eine wichtige Rolle spielen, in 519 Isolaten aus neun Regionen der Tropen – von Brasilien über Zentralafrika und Thailand bis nach Ozeanien.

Die Analyse von insgesamt 63 Varianten (Single Nucleotide Polymorphisms, SNP) in den beiden Genen ergab, dass die genetische Vielfalt des Parasiten parallel mit der verschiedener Menschengruppen variiert: Von den ostafrikanischen Seen ausgehend, nimmt sie einerseits gen Westafrika und andererseits über den Nahen Osten bis nach Ostasien und Ozeanien ab.

Lediglich Südamerika scheint in genetischer Hinsicht deutlich näher an Afrika zu liegen, als es der geografischen Entfernung entspricht. Die Forscher erklären dieses Phänomen damit, dass der Parasit wahrscheinlich erst mit dem Sklavenhandel von Afrika in die Neue Welt gelangte. Der Weg, den die ersten menschlichen Siedler wahrscheinlich nahmen, über die trockengefallene Beringstraße zwischen Sibirien und Alaska, war ihm aufgrund der niedrigen Temperaturen verbaut.

Forschung: Kazuyuki Tanabe, Laboratory of Malariology, Research Institute for Microbial Diseases, Osaka University, Osaka; Francois Balloux, MRC Centre for Outbreak Analysis and Modelling, Department of Infectious Disease Epidemiology, Imperial College, London; und andere

Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2010.05.053

WWW:
Laboratory of Malariology, Osaka University
MRC Centre for Outbreak Analysis and Modelling, Imperial College
„Out of Africa“ – und zwar mehrmals (PDF)
Malaria-Portal der WHO

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