Blutzuckerhormon verstellt den Geschmackssinn

16. Juni 2010 12:48 Drucken

Foto zeigt Reihen grellbunt gefärbter Marzipaneier Wenn der Magen knurrt, schmeckt zuckerhaltige Kost besonders gut. Dabei handelt es sich nicht unbedingt um ein psychologisches Phänomen, lassen Experimente amerikanischer Mediziner vermuten. Ein Hormon, das bei einem niedrigen Blutzuckerspiegel ausgeschüttet wird, erhöht demnach die Empfindlichkeit der Zunge für süß schmeckende Verbindungen.

Foto: Jackie via Flickr (Creative Commons Attribution 2.0)

“Unsere Daten legen den Schluss nahe, dass die Empfänglichkeit einer Person für Süßes mit ihrem Stoffwechselstatus und ihrem Nährstoffbedarf zusammenhängt”, folgert Steven Munger von der University of Maryland. Der hormonelle Effekt lasse sich vielleicht gezielt beeinflussen, um Patienten zu einer höheren oder geringeren Nahrungsaufnahme zu bewegen.

Munger und seine Kollegen hatten entdeckt, dass Mäuse in ihren Geschmacksknospen nicht nur das Hormon Glucagon, sondern auch den zugehörigen Rezeptor produzieren. Glucagon wird hauptsächlich von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet, wenn der Blutzuckerspiegel stark abfällt. Als Gegenspieler des Insulins bewirkt es die Freisetzung von Traubenzucker (Glucose) aus den Kohlenhydratspeichern in der Leber und anderen Organen und damit ein Wiederansteigen des Blutzuckerspiegels.

Auf der Zunge werden das Hormon und sein Rezeptor hauptsächlich in jenen Sinneszellen produziert, die auch einen Geschmacksrezeptor für süß schmeckende Verbindungen bilden, ermittelten die Forscher. Daher machten sie die Probe aufs Exempel und behandelten Mäuse mit einem Wirkstoff, der den Glucagon-Rezeptor blockiert. Tatsächlich sprachen die Tiere daraufhin deutlich schwächer auf eine Rohrzuckerlösung an, während sich ihre Reaktion auf salzige, saure und bittere Testlösungen kaum veränderte. Ähnlich verhielten sich Mäuse, die kein funktionstüchtiges Glucagon mehr produzieren konnten, berichten die Forscher im “FASEB Journal”.

Munger und seine Arbeitsgruppe wollen den Einfluss des Glucagons auf den Geschmackssinn nun genauer untersuchen. Unter anderem interessiert sie die Frage, ob sich das Hormon, vermittelt durch die Geschmacksknospen, letztlich auch auf die Kalorienaufnahme auswirkt.

Forschung: Amanda E. T. Elson und Steven D. Munger, Department of Anatomy and Neurobiology, School of Medicine, University of Maryland, Baltimore; und andere

Veröffentlichung FASEB Journal, DOI 10.1096/fj.10-158105

WWW:
Munger Lab
Geschmackssinn
Insulin und Glucagon

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