Ungeahntes Haargespür

11. Juni 2010 18:07 Drucken

Foto zeigt junge Frau mit langem braunem Haar vor einem Bildschirm, zahlreichen wissenschaftlichen Postern Ob Haare “seidig” fallen oder doch eher “strohig” abstehen, hängt vor allem von ihrer Oberfläche ab. Bayreuther Chemiker haben eine raffinierte Methode entwickelt, um diesen Zusammenhang im Detail zu erforschen. Sie tasten ein Haar mit einem winzigen Haarstückchen ab und messen im mikroskopischen Maßstab die dabei wirkenden Kräfte.

Foto: Chr. Wißler

Diese Methode berge enormes Potenzial für die Entwicklung neuer Haarwaschmittel und Spülungen, erklärt Eva Max von der Universität Bayreuth. Denn je besser man über den Zusammenhang zwischen Oberfläche und Geschmeidigkeit der Haare Bescheid wisse, “desto zuverlässiger lassen sich mit derartigen Produkten die gewünschten Wirkungen auf die Frisur erzielen”.

Haare bestehen aus toten, verhornten Zellen. Ihre Oberfläche ist nicht glatt, sondern mehr oder weniger schuppig. Je stärker ausgeprägt diese raue Struktur ist, desto matter erscheinen die Haare und desto leichter bleiben sie aneinander hängen. Shampoos und Conditioner können die Schuppenstruktur glätten und so widerspenstige Haare bändigen.

Grafik zeigt das Messprinzip: Blattfeder mit kleinem Haar-Tastelement wird über ein Haar geführt, per Laserreflexion wird die Verbiegung der Feder gemessen Grafik: Lehrstuhl Physikalische Chemie II, Universität Bayreuth

Max und ihre Kollegen messen die Reibung zwischen den Haaren mit einem modifizierten Rasterkraftmikroskop – einem Instrument, mit dem Oberflächen im mikroskopischen Maßstab abgetastet werden. Als Tastsensor dient normalerweise eine hauchdünne Spitze auf einer winzigen Blattfeder. Die Forscher ersetzen diese Spitze durch ein 0,05 Millimeter kurzes Haarstück, das sie mit einem UV-Laser aus einem Haar herausgeschnitten haben. Den so modifizierten Sensor führen sie dann über ein zweites Haar und schließen aus der Verbiegung der Blattfeder auf die zwischen den Haaroberflächen wirkenden Kräfte.

Diese Messmethode könnte auch in der biologischen Grundlagenforschung und ganz allgemein in der Materialforschung gute Dienste leisten. Derzeit komme das meiste Interesse allerdings aus der Körper- und Haarpflegebranche, so Max. “Wir haben bereits zahlreiche Anfragen von Unternehmen, die sich dafür interessieren, wie Haarwaschmittel und Conditioner die Interaktionen zwischen einzelnen Haaren beeinflussen.”

Forschung: Eva Max, Wolfang Häfner und Andreas Fery, Lehrstuhl für Physikalische Chemie II, Universität Bayreuth; Frank Wilco Bartels, BASF Polyurethanes GmbH, Lemförde; und andere

Veröffentlichung Ultramicroscopy, Vol. 110(4), pp 320-4, DOI 10.1016/j.ultramic.2010.01.003

WWW:
Physikalische Chemie II, Uni Bayreuth
Haar
Chemie der Haare
Better Hair Through Chemistry
Atomic Force Microscopy

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