Posted in: Biologie, Mathematik 7. Juni 2010 18:07 Weiter lesen →

Hungrige Schaben folgen der Masse

Foto zeigt Schabe mit braunem Panzer, langen Antennen, auf KartoffelchipSpätestens dann, wenn es ums Fressen geht, packt Kakerlaken eine Art Herdentrieb. Das haben europäische Forscher am Beispiel der Deutschen Schabe zeigen können. Die vorsichtigen Insekten suchen demnach nicht unabhängig voneinander nach Nahrung, sondern fressen bevorzugt dort, wo sich bereits Artgenossen gütlich tun.

Foto: Clemson University – USDA Cooperative Extension Slide Series (Creative Commons Attribution 3.0 US)

Die Schaben werden von ihresgleichen förmlich angezogen, fanden Mathieu Lihoreau vom Queen Mary College der Universität London und seine Kollegen in Rennes und Brüssel heraus. Diese einfache und effektive Art der Selbstorganisation sei wahrscheinlich ein Grund für den großen Erfolg der Schaben, so die Forscher.

Um mehr über das Verhalten der Insekten zu erfahren, setzen die Forscher hungrige Deutsche Schaben (Blattella germanica) in eine Testarena mit zwei Häufchen Futter. Obwohl das angebotene Futter identisch war, verteilten sich die Tiere nicht etwa gleichmäßig auf die beiden Futterstellen, wie es bei unabhängiger Auswahl zu erwarten wäre. Stattdessen fand sich die Mehrzahl der Insekten an einem der beiden Häufchen ein und fraß dort, bis das Futter vertilgt war. Je größer die resultierende Gruppe war, desto seltener wurde sie von einzelnen Tieren wieder verlassen, berichten die Forscher im Fachblatt „Behavioral Ecology and Sociobiology“.

„Unsere Beobachtungen, im Verein mit einem mathematischen Modell, lassen vermuten, dass Schaben durch engen Kontakt miteinander kommunizieren, wenn sie sich an einer Futtergelegenheit befinden“, erläutert Lihoreau. Bei dem Signal handle es sich möglicherweise um eine Verbindung im Speichel oder auf dem Chitinpanzer der Tiere, so der Forscher. Die Kurzstrecken-Kommunikation der Schaben könnte vielleicht als Vorbild für technische Lösungen dienen – und zur Bekämpfung der Schädlinge ausgenutzt werden.

Forschung: Mathieu Lihoreau und Colette Rivault, Research Centre for Psychology, School of Biological and Chemical Sciences, Queen Mary University of London, und UMR 6552, CNRS und Université de Rennes 1, Rennes; Jean-Louis Deneubourg, Service d’Ecologie Sociale, Université Libre de Bruxelles, Brüssel

Veröffentlichung Behavioral Ecology and Sociobiology, DOI 10.1007/s00265-010-0971-7

WWW:
Homepage Mathieu Lihoreau
Schaben
Self-organization

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Bakterien sind kollektiv findig
Uralter Geruch des Todes
Muscheln optimieren meisterhaft

Posted in: Biologie, Mathematik
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (6 Bewertungen, im Schnitt 3,67 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.