Männlicher Herdentrieb bei Winkerkrabben
Mittwoch, 2. Juni 2010, 9:15 • Rubrik Biologie.
Männliche Winkerkrabben haben ein waches Stielauge auf die Konkurrenz, belegen Versuche australischer Biologen. Sobald eine Winkerkrabbe sieht, dass Geschlechtsgenossen die Aufmerksamkeit eines Weibchens zu erregen versuchen, schwenkt sie ebenfalls ihre auffällige Schere – auch, wenn sie das Weibchen gar nicht sehen kann.
Foto: Denise Chan via Flickr (Creative Commons Attribution Share-Alike 2.0)
Auf diese Weise “erhöhen die Männchen effektiv die Distanz, auf die sie paarungsbereite Weibchen wahrnehmen können”, schreiben Richard Milner von der Australian National University und seine Kollegen im Fachblatt “Biology Letters”. Indem sich ein Männchen möglichst früh in Szene setze, stiegen seine Chancen, von dem Weibchen zumindest in die engere Wahl gezogen zu werden.
Winkerkrabben leben an flachen Küstenabschnitten, die bei Ebbe regelmäßig trockenfallen. Bei diesen Gelegenheiten kommen die Tiere aus ihren Bauten, um nach Fressbarem zu suchen und um Geschlechtspartnerinnen anzulocken. Dazu schwenken sie ihre riesenhafte, kräftig gefärbte Schere, sobald sie ein Weibchen auf Partnersuche erspähen. Milner und seine Kollegen wollten herausfinden, ob dieses auffällige Signal auch von den übrigen Männchen genutzt wird.
Die Forscher führten ihre Experimente mit Winkerkrabben (Uca mjoebergi) an einem flachen Strand bei der nordaustralischen Stadt Darwin durch. Zunächst entfernten sie sämtliche Weibchen aus der Umgebung eines Männchens und bauten einen schmalen Sichtschutz vor diesem auf. Erwartungsgemäß zeigte das Tier keine Neigung, seine Schere zu schwenken. Setzten die Forscher nun ein Weibchen hinter den Sichtschutz, begannen die umgebenden Männchen eifrig zu winken. Prompt winkte auch jenes Männchen, dass das Weibchen nicht sehen konnte, etwa 12 Mal pro Minute. Die Frequenz stieg auf etwa 20 Mal pro Minute, sobald der Sichtschutz entfernt wurde.
Männliche Winkerkrabben nutzen ihre Geschlechtsgenossen also als eine Art Weibchendetektor, folgern Milner und Kollegen. “Es zeigte sich zudem, dass die Männchen die Stärke ihrer Reaktion an die Informationsquelle anpassen.” Eine solche indirekte Wahrnehmung von Paarungsgelegenheiten könnte im Tierreich weit verbreitet sein, vermuten die Forscher. Immerhin wisse man seit langem, dass viele Tiere sich vom Verhalten anderer “anstecken” ließen, wenn es beispielsweise um Gefahren bzw. Futter gehe.
Forschung: Richard N. C. Milner, Michael D. Jennions und Patricia R. Y. Backwell, Evolution, Ecology and Genetics, Research School of Biology, Australian National University, Canberra
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2010.0384
WWW:
The Crab Lab, Australian National University
Uca mjoebergi
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