Posted in: Biologie 1. Juni 2010 13:24 Weiter lesen →

Schildkröten-Atmung aufgeklärt

Moschusschildkröte, Foto: Universität Wien Die Moschusschildkröte verzichtet bis zu einem halben Jahr lang darauf, zum Atmen an die Wasseroberfläche zu kommen. Bisher wurde vermutet, der Gasaustausch erfolge über die Haut. Dieser Technik bedienen sich Seeschlangen, viele Amphibien und auch Weichschildkröten. Doch die Haut der Moschusschildkröte ist zu dick und verhornt, atmen kann sie damit nicht. Biologen der Universität Wien haben das Rätsel jetzt gelöst.

Moschusschildkröte, Foto: Universität Wien

Die Moschusschildkröte ist mit einer Größe von 7,5 bis 10 Zentimetern eine der kleinsten Schildkrötenarten. Obwohl sie im Wasser lebt, zeigt sie große Ähnlichkeit zu den Landschildkröten. Ihre Heimat sind die Süßgewässer Nordamerikas, wo sie vor allem Schnecken verzehrt.

Den Wissenschaftlern um Egon Heiss war aufgefallen, dass Moschusschildkröten besonders ausgeprägte lappenförmige Oberfläche im Mund- und Rachenraum besitzen, welche von Blutgefäßen durchzogen ist. Die Funktion dieser so genannten Papillen war ein Rätsel, denn auch andere, nicht unter Wasser atmende Schildkrötenarten verfügen über vergleichbare Ausstülpungen.

Nachdem für die Moschusschildkröte ausgeschlossen werden konnte, dass die Papillen eine Rolle bei der Nahrungsaufnahme spielen, erforschten die Wissenschaftler eine mögliche Funktion für die Atmung. Dazu untersuchten sie dünn geschnittenes Gewebe aus ihrem Museumsbestand und erstellten mikroskopische Digitalaufnahmen.

Betrachtungen unter dem Rasterelektronenmikroskop enthüllten schließlich die Funktion der speziellen Oberflächenstruktur, berichtet Heiss: „Die Aufnahmen zeigen, wie präsent diese Papillen sind. Sie sind verhältnismäßig groß, verzweigt und in großer Zahl vorzufinden. Und sie werden perfekt durchspült, da die Schildkröten ihren Rachenraum regelmäßig mit frischem Wasser versorgen. Somit steht fest, dass diese Tiere etwas Ähnliches wie Kiemen entwickelt haben.“

Forschung: Egon Heiss, Department für Theoretische Biologie, Universität Wien; online veröffentlicht in „The Anatomical Record“

WWW:
Abstract in „The Anatomical Record“
Theoretische Biologie, Universität Wien

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