Posted in: Medizin 25. Mai 2010 14:58 0 Kommentare Weiter lesen →

Junge Diabetiker häufig mit Viren infiziert

Foto eines männlichen Bauchs vom Rippenbogen bis zum Bauchnabel, halbtransparent eingezeichnet die Lage von Bauchspeicheldrüse und Gallenblase Zumindest einige Fälle von Autoimmundiabetes könnten durch Virusinfektionen ausgelöst werden. Neue Indizien für einen solchen Mechanismus haben italienische Forscher im Rahmen einer kleinen Studie mit 112 jungen Patienten gefunden. Von diesen wiesen 83 Prozent zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose Zeichen einer Infektion mit Enteroviren auf. In einer gleichaltrigen Kontrollgruppe lag der Anteil dagegen nur bei 7 Prozent.

Beim Typ-1-Diabetes attackiert das Immunsystem die Beta-Zellen der hinter dem Magen liegenden Bauchspeicheldrüse (rechts). Bild: NIH-National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases

“Diese Daten belegen noch nicht einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit Enteroviren und Diabetes”, betont Antonio Toniolo von der Universität Insubria in Varese. Gleichwohl zeigten sie, dass ein starker Zusammenhang zwischen Infektion und Erkrankung bestehe. Toniolo und seine Kollegen stellen ihre Resultate auf einer Fachtagung im kalifornischen San Diego vor.

Die Gruppe untersuchte das Blut von 2 bis 16 Jahre alten Kindern und Jugendlichen, bei denen die Autoimmunvariante der Zuckerkrankheit festgestellt wurde. Bei diesem Typ-1-Diabetes versagt bereits in jungen Jahren die Blutzuckerkontrolle, indem das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift. Als ein möglicher Auslöser werden Infektionen diskutiert. Diese könnten, so die Hypothese, die Aufmerksamkeit des Immunsystems fälschlicherweise auf die Bauchspeicheldrüse lenken.

Toniolo und Kollegen gingen Hinweisen nach, denen zufolge Enteroviren beim Typ-1-Diabetes eine Rolle spielen könnten. Mithilfe verschiedener Testverfahren gelang es den Medizinern, Viruspartikel und Erbgut der Enterovirus-Spezies A, B und C in den weißen Blutkörperchen von 93 der 112 jungen Patienten nachzuweisen. Bei allen war die Infektion offenbar schon seit mehreren Wochen aktiv. In der Kontrollgruppe schlugen die Tests dagegen nur bei 4 von 56 Personen an.

Die Resultate müssten nun durch weitere Studien mit mehr Patienten und in anderen Regionen untermauert werden, so die italienischen Forscher. Sollte sich der Zusammenhang zwischen Enteroviren und Diabetes bestätigen, würde das zumindest ein besseres Verständnis der komplexen Erkrankung bedeuten. Mit diesem Wissen könnte es eines Tages vielleicht möglich werden, den Ausbruch des Typ-1-Diabetes zu verhindern oder seine Entwicklung aufzuhalten, hofft Toniolo.

Forschung: Antonio Q. Toniolo und Andreina Baj, Dipartimento di Medicina Sperimentale, Università degli Studi dell’Insubria, und Ospedale di Circolo, Varese; und andere

Präsentation auf dem 110th General Meeting of the American Society for Microbiology, San Diego; #ST-902

WWW:
Medicina Sperimentale, Università dell’Insubria
Diabetes Deutschland
- Typ-1-Diabetes
Durch Enteroviren ausgelöste Erkrankungen

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Infektion provoziert Autoimmunattacke
Diabetes weiter auf dem Vormarsch


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