Posted in: Biologie 19. Mai 2010 01:01 Weiter lesen →

Kraken schöpfen Luft

Foto zeigt kleinen weißlichen Kraken mit halbdurchsichtiger, schneckenförmig gewundener, gerippter Schale direkt unter der spiegelnden Wasseroberfläche Ein erstaunliches Verhalten haben australische Meeresbiologen bei Papierbooten beobachtet. Die kleinen Kopffüßer nutzen ihre namensgebende Schale, um an der Meeresoberfläche etwas Luft zu schöpfen. Der Luftvorrat fungiert als Auftriebskörper, der ihnen in einigen Metern Wassertiefe ein schwereloses Schweben ermöglicht.

Foto: Dr. Julian Finn, Museum Victoria

Damit nicht genug, wirkt die Luftblase auch wie ein Kiel, beobachteten Julian Finn und Mark Norman vom Museum Victoria in Melbourne. Ohne die Blase im Zipfel der Schale schaukeln die kleinen Kraken beim Schwimmen hin und her und kommen nur mühsam voran. Durch eine Luftblase aufrecht gehalten, können sie dagegen einem Taucher mit Leichtigkeit entkommen.

Papierboote sind eine kleine Gruppe von Kraken, bei denen die Weibchen eine papierdünne Kalkschale bilden. „Die Funktion dieser Schale beschäftigt Naturforscher schon seit Jahrtausenden“, erklärt Finn. Schon Aristoteles habe gemutmaßt, es handle sich um eine Art Segel für die rasche Fortbewegung an der Meeresoberfläche. Zwar wisse man inzwischen, dass die Schale die befruchteten Eier aufnehme. Warum sie häufig auch etwas Luft enthalte und woher diese Luft überhaupt stamme, sei jedoch unklar gewesen.

Finn und Norman gingen dem Phänomen auf den Grund, indem sie vor Japan drei Weibchen der Art Argonauta argo fingen. In einem Aquarium gehalten, wurden die Tiere mehrmals kurzzeitig im Meer ausgesetzt, um ihr Verhalten zu studieren. War zuvor sämtliche Luft aus ihrer Schale gelassen worden, steuerten die Papierboote mit hoher Geschwindigkeit die Wasseroberfläche an. Diese durchbrechend, drehten sie sich, sodass ihr oberer Schalenrand etwas Luft schöpfte, die in den Zipfel der Schale rutschte. Danach schwammen die Tiere so weit abwärts, bis der Auftrieb der vom Wasserdruck zusammengedrückten Luftblase sie gerade in der Schwebe hielt.

Diese Beobachtung widerlege die Vermutung, die Luft gerate eher unbeabsichtigt in die Schale und könne die Papierboote sogar an der Meeresoberfläche gefangen halten, so Finn und Norman. Im Gegenteil seien die kleinen Kopffüßer in der Lage, die Größe des Auftriebskörpers zu kontrollieren, indem sie ihren Körper unterschiedlich weit in die Kalkschale drückten. „Wir wissen nun, dass die Schale der Papierboote eine komplexe Rolle spielt und den Tieren ein Leben nahe der Wasseroberfläche ermöglicht, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Kraken, die am Meeresgrund leben“, schließt Finn.

Forschung: Julian K. Finn und Mark D. Norman, Sciences Department, Museum Victoria, Melbourne, und Department of Zoology, La Trobe University Bundoora, Victoria

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2010.0155

WWW:
Sciences, Museum Victoria
Argonauta
Argosearch

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