Posted in: Medizin, Psychologie 22. April 2010 18:00 Weiter lesen →

Nachsitzen im Traum

Schlafen hilft dem Gehirn, neues Wissen und neue Erfahrungen zu verarbeiten. Besonders effektiv ist dieser Prozess während des Träumens, lässt ein Experiment amerikanischer Forscher vermuten. Ihre Versuchsteilnehmer fanden sich besonders gut in einem Irrgarten zurecht, wenn sie nach dem ersten Besuch darin ein Nickerchen gehalten und entsprechende Träume durchlebt hatten.

Foto: Hallgerd /Fotolia

Hatten die Teilnehmer das Durchlaufen des Labyrinths dagegen im Wachzustand rekapituliert, zeigte sich keine Verbesserung ihrer Leistung, beobachteten Robert Stickgold vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston und seine Kollegen. „Das zeigt uns, dass das träumende Gehirn neue Information verarbeitet, integriert und begreift“, folgert der Neurowissenschaftler.

Die Forscher führten ihren Versuch mit 99 Studierenden durch. Diese erkundeten am Computer ein virtuelles Labyrinth, in dem ein Baum an einem festen Punkt stand. Diesen Baum mussten sie schließlich von verschiedenen Startpositionen aus möglichst rasch wiederfinden. Danach sah sich eine Hälfte der Teilnehmer Filme an, die andere legte sich zu einem 90-minütigen Schläfchen hin. Einige Stunden später galt es, erneut den Weg zum Baum zu finden.

Frühere Studien an Tieren und Menschen hatten gezeigt, dass das Gehirn in den Schlafphasen ohne rasche Augenbewegungen häufig eine ähnliche Aktivität zeigt wie in einer Trainingsphase vor dem Einschlafen. Die Forscher hielten ihre Teilnehmer in diesem Non-REM-Schlaf, indem sie sie kurzzeitig weckten, sobald Hautelektroden eine schnell wechselnde Aktivierung der Augenmuskulatur registrierten.

Vier der Schläfer berichteten von Träumen, die offenbar in Verbindung mit dem Irrgarten standen. Beispielsweise gaben sie an, im Traum eine Höhle durchwandert oder die Musik gehört zu haben, die während des Trainings erklungen war. Alle vier waren in der Trainingsphase durch besonders schlechte Leistungen aufgefallen – sie hatten im Schnitt neun Minuten für den Weg benötigt, die übrigen Teilnehmer dagegen vier Minuten. In der nun folgenden Testphase fanden sie den Weg zum Baum jedoch ähnlich rasch wie die restlichen Teilnehmer. Deren Leistung hatte sich nicht bzw. um bestenfalls eine Minute im Falle der traumlosen Schläfer verbessert.

„Unsere Resultate legen den Schluss nahe, dass sich das Gehirn im Schlaf auf Schwieriges und somit Bedeutungsvolles konzentriert“, formuliert Stickgolds Kollegin Erin Wamsley. „Es weiß gewissermaßen, wo es noch Aufholbedarf hat.“ Träume seien möglicherweise der Ausdruck einer solch eingehenden Beschäftigung mit einem Problem, wie sie im Wachzustand nicht möglich sei.

Forschung: Erin J. Wamsley und Robert Stickgold, Department of Psychiatry, Beth Israel Deaconess Medical Center und Harvard Medical School, Boston; und andere

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 20, DOI 10.1016/j.cub.2010.03.027

WWW:
Psychiatry Department, Beth Israel Deaconess Medical Center
Der normale Schlaf und seine Variationen
Stages of Sleep
The Abashera Maze Game

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Nachhilfe für das Gedächtnis


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