Käfer sehen, was andere nicht sehen
Freitag, 16. April 2010, 18:37 • Rubrik Biologie, Physik.
Mit einer optischen Geheimsprache hat die Evolution einen nordamerikanischen Käfer ausgestattet. Mit ihrem metallisch grün schimmernden Panzer sind die Tiere im Laub von Bäumen und Sträuchern gut getarnt. Untereinander können sie sich jedoch leicht erkennen, haben zwei US-Forscher ermittelt. Den Käfern sticht das an ihresgleichen reflektierte Licht aufgrund seiner Polarisation förmlich ins Auge.
Foto: Daderot via Wikimedia.org (gemeinfrei)
“Diese Eigenart ermöglicht es den Käfern, einander zu sehen und sich gleichzeitig vor Fressfeinden zu verbergen, die kein zirkular polarisiertes Licht wahrnehmen können”, erklärt Parrish Brady von der University of Texas in Austin. Der Forscher und seine Kollegin Molly Cummings präsentieren ihre Beobachtungen im Fachblatt “American Naturalist”.
Brady und Cummings studierten Käfer der Art Chrysina gloriosa, entfernte Verwandte des Maikäfers in der großen Familie der Blatthornkäfer. Die Tiere kommen in Mexiko und den angrenzenden US-Bundesstaaten vor und leben bevorzugt auf Wacholder.
Der Chitinpanzer von Chrysina gloriosa hat gewisse Ähnlichkeit mit einem Flüssigkristall- oder LCD-Display. An seiner Oberfläche finden sich Cholesterinkristalle in winzigen Waben, die grünes und gelbes Licht besonders gut reflektieren und gleichzeitig dessen Polarisation beeinflussen: Einfallendes Sonnenlicht polarisieren sie so, dass dessen elektrisches Feld – in Ausbreitungsrichtung gesehen – gegen den Uhrzeigersinn rotiert.
Bislang war lediglich von einem Fangschreckenkrebs bekannt, dass seine Augen auf solches zirkular polarisiertes Licht besonders ansprechen. Brady und Cummings fanden nun, dass auch die schimmernden Käfer einen entsprechenden optischen Sinn haben. Bei ihren Versuchen zeigten die Tiere im Flug eine unterschiedliche Vorliebe für Quellen zirkular, linear oder nicht polarisierten Lichts. Eine nahe verwandte Art, Chrysina woodi, deren Panzer keine ausgeprägte Polarisationswirkung aufweist, legte dagegen keine Vorliebe für eine der Lichtquellen an den Tag.
Forschung: Parrish Brady und Molly Cummings, Department of Physics und Section of Integrative Biology, University of Texas, Austin
Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 175(5), pp 614-20, DOI 10.1086/651593
WWW:
Homepage Molly Cummings, University of Texas
Chrysina gloriosa
Polarisationsarten
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