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Sehen Tintenfische mit dem Bauch?

Mittwoch, 14. April 2010, 1:01 • Rubrik Biologie.

Foto zeigt Sepia von oben gesehen, die Haut braun und weiß gesprenkelt gefärbt, auf ebensolchem Untergrund Obwohl Tintenfische farbenblind sind, können sie die Farbe ihrer Haut verblüffend gut an den Untergrund anpassen. Die Erklärung dafür liegt vielleicht in einem ganz besonderen “Bauchgefühl”, hat eine deutsche Forscherin entdeckt. Demnach ist das Gen für ein Sehprotein bei den Kopffüßern nicht nur im Auge, sondern auch in der Haut der Bauchseite aktiv.

Foto: Drow male via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0)

Zwar werde die Verfärbung der Haut letztlich durch Nervensignale aus dem Gehirn gesteuert, erläutern Lydia Mäthger vom Marine Biological Laboratory in Woods Hole und ihre Kollegen im Fachblatt “Biology Letters”. Eine lichtempfindliche Haut könnte diese Kontrolle jedoch ergänzen – und im Zusammenspiel mit den mikroskopisch kleinen Farbbeuteln und Reflektoren in der Haut einen gewissen Sinn für Farben ermöglichen.

Mäthger machte ihre Entdeckung, als sie die Boten-RNA – die Abschriften aktiver Gene – aus verschiedenen Geweben des Gemeinen Tintenfischs (Sepia officinalis) studierte. Das Gen für den Proteinanteil des Sehpigments Rhodopsin wurde demnach nicht nur in der Netzhaut der Augen abgelesen, sondern auch in der Bauchhaut und in dem feinen Flossensaum. In der Haut der Rückenseite und der Arme fanden sich dagegen keine entsprechenden Abschriften.

Die Boten-RNAs in Mantel und Flossensaum unterscheiden sich minimal von jener in den Augen, berichtet die Gruppe. An der größten Empfindlichkeit des vollständigen Sehpigments im blaugrünen Bereich des Lichtspektrums dürfte dies jedoch kaum etwas ändern, sodass eine Farbunterscheidung nur im Verein mit den anderen Hautstrukturen möglich wäre. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob und wo das Sehprotein in der Sepienhaut gebildet wird und welche Rolle es im Leben der vielarmigen Tarnkünstler spielt.

Forschung: Lydia M. Mäthger, Steven B. Roberts und Roger T. Hanlon, Marine Biological Laboratory, Woods Hole, und School of Aquatic and Fishery Sciences, University of Washington, Seattle

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2010.0223

WWW:
Hanlon Lab, MBL
Sepia officinalis – der Gewöhnliche Tintenfisch
mRNA: Vom Gen zum Protein

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