Posted in: Medizin 6. April 2010 13:25 Weiter lesen →

Immun-Bremse lässt Tumoren hungern

Eine neue Seite eines vermeintlich wohlbekannten Botenstoffs haben Braunschweiger Forscherinnen entdeckt. Das Signalmolekül hält weiße Blutkörperchen davon ab, in einen Tumor einzuwandern und dort neue Blutgefäße sprießen zu lassen. Als Folge wächst der Tumor langsamer und bildet weniger Tochtergeschwüre.

Bei dem Signalmolekül handelt es sich um das Beta-Interferon – unter anderem dafür bekannt, dass es in normalen Körperzellen den „passiven Widerstand“ gegen Viren auslöst. Offenbar hemmt das kleine Signalprotein auch den Anschluss von Tumoren an den Blutkreislauf, fanden Jadwiga Jablonska vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und ihre Kolleginnen. „Diese Wirkung auf Tumoren haben wir absolut nicht erwartet“, so die Forscherin.

Die Braunschweiger Forscherinnen studierten Hauttumoren in zwei Gruppen von Mäusen, die kein Beta-Interferon mehr bilden konnten bzw. das Signalmolekül wie gewohnt produzierten. Es zeigte sich, dass die Tumoren in der ersten Gruppe von mehr neuen Blutgefäßen durchzogen wurden und als Resultat rascher wuchsen und mehr Metastasen bildeten als die in der zweiten Gruppe.

Tumoren stellen ihre Blutversorgung sicher, indem sie weiße Blutkörperchen anlocken, die dann ihrerseits das Wachstum von Blutgefäßen durch Ausschütten entsprechender Enzyme und Signalstoffe fördern. Beide Vorgänge laufen in Abwesenheit von Beta-Interferon verstärkt ab, fanden die Forscherinnen. Bei Mäusen ohne das Signalmolekül enthielten die Tumoren nicht nur mehr weiße Blutkörperchen, diese produzierten auch mehr angiogenetische Faktoren.

Der Normalzustand ließ sich allerdings durch Gabe von Beta-Interferon wiederherstellen, erklärt Jablonska: „Bereits eine verschwindend geringe Menge des Botenstoffs reicht aus, um Zellen fernzuhalten, Wachstumsfaktoren zu hemmen und damit das Tumorwachstum zu stoppen.“ Dieser Effekt könnte erklären, warum die Gabe von Beta-Interferon und verwandten Molekülen zumindest in frühen Stadien der Krebsentstehung hilfreich sein kann.

Forschung: Jadwiga Jablonska, Sara Leschner, Kathrin Westphal, Stefan Lienenklaus und Siegfried Weiß, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig

Veröffentlichung Journal of Clinical Investigation, Vol. 120(4), pp 1151-64, DOI 10.1172/JCI37223

WWW:
Molekulare Immunologie, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Tumor Angiogenesis
Interferone: Signalstoffe des Immunsystems als Krebsmittel

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