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Wahre Tausendsassas

Montag, 29. März 2010, 12:12 • Rubrik Psychologie.

Foto zeigt bärtigen Brillenträger am Lenkrad eines Fahrsimulators, Bildschirme statt Fenstern zeigen Landschaft, Straße, Fahrzeuge Die meisten Menschen können sich mehr schlecht als recht auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren. Nicht so eine Handvoll Personen, die amerikanische Psychologen im Rahmen eines Versuchs mit 200 Teilnehmern identifiziert haben. Sie können problemlos gleichzeitig Auto fahren und via Freisprechanlage eine Reihe von Denkaufgaben bearbeiten.

Jason Watson am Steuer des Fahrsimulators. Foto: Valoree Dowell, University of Utah

“Solche Personen sollte es eigentlich nicht geben”, erklärt Jason Watson von der University of Utah. Zahlreiche Experimente in den letzten Jahrzehnten hätten ergeben, dass das Gehirn nicht unbeschränkt leistungsfähig sei und bei der Bearbeitung von zwei oder mehr Aufgaben rasch an seine Grenzen stoße, so der Forscher. “Angesichts der Zahl von Menschen, die beim Autofahren regelmäßig telefonieren, könnte man hoffen, dass der Prozentsatz dieser ‘Supertasker’ höher liegt.”

Watson und sein Kollege David Strayer ließen ihre Versuchsteilnehmer, allesamt Führerscheininhaber, zwei Tests zunächst separat und dann gleichzeitig absolvieren. Bei dem ersten Test galt es, eine Reihe einfacher Rechenaufgaben zu lösen und sich eine Reihe eingestreuter Wörter zu merken. Bei dem zweiten Test saßen die Teilnehmer in einem Fahrsimulator und sollten einem vorausfahrenden Fahrzeug im dichten Stop-and-go-Verkehr folgen.

Sobald die Teilnehmer beide Tests gleichzeitig absolvierten, bremsten sie im Schnitt eine viertel Sekunde später, hielten zehn Meter mehr Abstand zum Vordermann, lösten weniger Rechenaufgaben korrekt und konnten sich weniger Wörter merken. Lediglich bei fünf Männern und Frauen, die schon bei den Einzeltests zu den besten 25 Prozent der Gruppe gehört hatten, blieben die Leistungen konstant oder verbesserten sich sogar minimal.

Einige Monate später erbrachten die fünf Personen bei weiteren Tests erneut verblüffend gute Leistungen. Offenbar spiegle die mühelose geistige Parallelverarbeitung eine stabile, möglicherweise genetisch bedingte Eigenheit wider, folgern die beiden Psychologen. Worin genau sich das Gehirn solcher Personen von einem normalen Hirn unterscheide, sei derzeit allerdings noch unklar.

Forschung: Jason M. Watson und David L. Strayer, Department of Psychology, University of Utah, Salt Lake City

Veröffentlichung Psychonomic Bulletin and Review (im Erscheinen)

WWW:
Psychology Department, University of Utah
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