Untermeerischer Hangrutsch ohne Auslöser
Donnerstag, 25. März 2010, 19:09 • Rubrik Geologie.
Auf Spuren eines gewaltigen Hangrutsches vor der afrikanischen Küste sind deutsche Meeresforscher gemeinsam mit englischen und irischen Kollegen gestoßen. Das Ereignis nahm vor etwa 2.000 Jahren seinen Lauf und hatte zumindest für Tiefseelebewesen, vielleicht aber auch für Menschen auf den nahen Kanaren katastrophale Folgen. Allerdings scheint es keinen besonderen Auslöser gegeben zu haben.
Grafik: Grafik: Sebastian Krastel, IFM-GEOMAR
Die Schuttmassen des Hangrutsches bewegten sich bis zu 900 Kilometer weit über den Meeresboden und bedecken heute eine Fläche von etwa 150.000 Quadratkilometern. “Das ist, als ob in den Alpen Lawinen abgehen und bis Kiel rutschen”, erklärt Sebastian Krastel vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften.
Krastel und Kollegen stießen auf die Spuren des Ereignisses, als sie im Frühjahr mit dem Forschungsschiff Poseidon vor der Küste Nordwestafrikas unterwegs waren, um mehr über die Ursachen einer mehr als 50.000 Jahre alten Gruppe von Rutschungen zu erfahren. Die Klärung dieser Frage ist umso interessanter, als in dem Gebiet keine Kontinentalplatten aufeinander stoßen und so größere Erdbeben bewirken könnten.
“Die Theorie lautete bisher, dass größere Rutschungen an einem derartigen Kontinentalhang immer mit deutlichen Klima- und Meeresspiegelschwankungen zusammenhängen”, so Krastel weiter. Auf den neu entdeckten, jüngeren Hangrutsch treffe dies jedoch nicht zu. “Damals war die jüngste Eiszeit längst beendet, Klima und Meeresspiegel waren relativ stabil.”
Hangrutschungen lösen im schlimmsten Fall Tsunamis aus. Auf den nahe gelegenen Kanaren könnte es also entsprechende Ablagerungen geben und möglicherweise finden sich sogar bei den antiken Autoren Hinweise auf eine solche Katastrophe. Des ungeachtet könnte die jüngste Entdeckung Konsequenzen für die Gefahrenabschätzung für Bohrinseln, Pipelines und untermeerische Datenkabel haben, so Krastel. Vielleicht müsse man das Risiko großer Hangrutschungen generell neu einschätzen.
Forschung: Stefan Krastel, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), Kiel; und andere
WWW:
Dynamik des Ozeanbodens, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
Submarine Gefahren an Kontinentalrändern
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