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Haiangriff vor vier Millionen Jahren

Mittwoch, 17. März 2010, 12:49 • Rubrik Paläontologie.

Grafik zeigt das größtenteils erhaltene Delfinskelett, darin markiert die Bissmarken und die Kieferform des Hais, Einschub zeigt Haizahn Eine prähistorische Haiattacke haben italienische Forscher rekonstruieren können. An einem rund vier Millionen Jahre alten Delfinskelett fanden sie zahlreiche Spuren von Haizähnen, anhand derer sie nicht nur den Angreifer identifizieren, sondern auch den Hergang des Angriffs nachvollziehen konnten.

Bild: Giovanni Bianucci

Offenbar bediente sich der etwa vier Meter lange Hai einer heute noch angewandten Überrumpelungstaktik, folgern die Forscher um Giovanni Bianucci von der Universität Pisa. Ähnlich Weißen Haien beim Angriff auf Robben, dürfte er von unten an seine Beute herangeschwommen und sie gleich mit dem ersten Biss überwältigt haben.

Bianucci entdeckte die Spuren des Angriffs an einem gut erhaltenen, knapp drei Meter langen Delfinskelett, das im norditalienischen Piemont gefunden worden war. “Das Skelett lagerte schon seit über einhundert Jahren mehr oder weniger unbeachtet in einem Turiner Museum”, so der Paläontologe. “Als ich es aber näher untersuchte, fand ich die Bissmarken an Rippen, Wirbeln und Kiefer.”

Das Opfer konnten Bianucci und Kollegen leicht als Angehörigen der ausgestorbenen Delfinart Astadelphis gastaldii identifizieren. Einen ersten Hinweis auf den Angreifer lieferte der glatte Rand der Bissmarken – die Zähne des Hais hatten also keine gezackten, sondern relativ glatte Kanten. Die Anordnung der Bissspuren und frühere Fossilienfunde in den gleichen Gesteinsschichten sprechen letztlich für einen Vertreter der ebenfalls ausgestorbenen Haiart Cosmopolitodus hastalis, berichten die Forscher im Fachblatt “Palaeontology”.

“Die tiefsten und deutlichsten Bissspuren finden sich an den Rippen des Delfins”, so Bianucci weiter. “Das lässt vermuten, dass der Hai von unten attackierte und den Bauch des Delfins packte.” Durch diesen ersten Biss tödlich verwundet, rollte das Opfer dann auf den Rücken, sodass der Hai ein zweites Mal nahe der Finne, der Rückenflosse, zupackte. Rätselhaft ist, warum er dann von seiner Beute abließ, sodass sich kleinere Haie und andere Fische über den Kadaver hermachen konnten.

Forschung: Giovanni Bianucci, Barbara Sorce und Walter Landini, Dipartimento di Scienze Della Terra, Università di Pisa; Tiziano Storai, DNAquA -Laboratorio di Ricerche e Studi Sulla Vita Marina, Cagliari

Veröffentlichung Palaeontology, Vol. 53(2), pp 457-70, DOI 10.1111/j.1475-4983.2010.00945.x

WWW:
Dipartimento di Scienze Della Terra, Università di Pisa
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