Posted in: Astronomie, Geologie 15. März 2010 16:48 Weiter lesen →

Üppige Mikroflora nach Einschlag

Weltraumaufnahme von Devon Island, braune Täler und rundliche Vertiefung in weißer Landschaft, hellblau erscheinendes Meer Wo ein Meteorit einschlägt, da erblüht das Leben – zumindest das mikrobielle. Neue Belege für diese Vermutung hat eine internationale Forschergruppe in einem Krater in der Arktis gefunden. Das zertrümmerte Gestein ist durchsetzt mit Katzengold, das letztlich auf die biologische Verwertung von Gips zurückgehen dürfte.

Bild: NASA

Wahrscheinlich sei nach dem Einschlag heißes Grundwasser durch Klüfte und Brüche tief in das Trümmergestein eingedrungen, schreiben die Forscher um John Parnell von der Universität Aberdeen im Fachblatt „Geology“. Durch diese flüssigen Adern hätten wiederum Mikroben das Gestein besiedelt und im Laufe einiger zehntausend Jahre einen Teil des darin enthaltenen Schwefels veratmet.

Parnell und Kollegen führten ihre Untersuchungen im Haughton-Krater auf Devon Island durch, einer kanadischen Insel, die ungefähr auf der geographischen Breite von Spitzbergen liegt. Der Krater ist rund 23 Kilometer groß und entstand vor 39 Millionen Jahren bei einem Einschlag in Kalk- und Gipsablagerungen aus einem urzeitlichen Meer. Ein Teil dieses Gesteins ist im Kraterinneren zu regelrechten Trümmerhalden aufgetürmt.

Bereits früher hatte die Gruppe ehemalige hydrothermale Quellen in dem Trümmergestein entdeckt. Bei ihren jüngsten Untersuchungen fand sie nicht nur in den größeren, einst von heißem Wasser erfüllten Klüften, sondern auch abseits davon Ablagerungen von Pyrit oder Katzengold (Eisensulfid). Dieses enthält allerdings sehr viel weniger „schweren“ Schwefel-34 als der ursprüngliche Gips (Calciumsulfat), ergab die Untersuchung per Massenspektrometer. Der Unterschied ist derart ausgeprägt, dass er nur durch bakteriellen Stoffwechsel erklärt werden kann, schreiben die Forscher. Die Mikroben dürften das Sulfat aus dem Gips anstelle von Sauerstoff „veratmet“ und es so zu Sulfid reduziert haben.

Offenbar hatten schwefelreduzierende Bakterien nach dem Einschlag genügend Zeit, mit dem heißen Wasser ein Gesteinsvolumen von mehr als 20 Kubikkilometern zu besiedeln, folgern Parnell und Kollegen. Ihrer Ansicht nach könnten sich ähnlich heimelige Bedingungen auch nach Einschlägen auf anderen Planeten eingestellt haben. Bei der Auswahl der Landestellen für künftige Marsmissionen sollten daher auch Krater in sulfathaltigem Gestein in Betracht gezogen werden, so die Forscher.

Forschung: John Parnell, Department of Geology, University of Aberdeen; Adrian Boyce, Scottish Universities Environmental Research Centre, Glasgow; Gordon R. Osinski, Department of Earth Sciences, University of Western Ontario, London; und andere

Veröffentlichung Geology, Vol. 38(3), pp 271-4, DOI 10.1130/G30615.1

WWW:
Geofluids Research Group, University of Aberdeen
Virtual Tour of the Haughton Impact Structure
Sulfate-reducing Bacteria
Sulfur Isotopes and Fractionation
Simulating Mars on Earth

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