Posted in: Psychologie, Vermischtes 15. März 2010 21:30 2 Kommentare Weiter lesen →

Säuglinge nehmen Rhythmus auf

Baby mit Kopfhörern Schon Säuglinge haben Rhythmus im Blut, lässt eine Pilotstudie zweier europäischer Forscher vermuten. Bereits im zarten Alter von fünf Monaten zeigen Kinder demnach mehr rhythmische Bewegungen, wenn sie Musik hören. Und je besser sie den Takt finden, desto zufriedener scheinen sie zu sein.

Foto: Yuriy Nedopekin/iStockphoto

Der Effekt ist beim Hören von klassischer Musik, von Kinderliedern und von einem “nackten” Rhythmus ähnlich stark, ermittelten Marcel Zentner von der Universität York und Tuomas Eerola von der Universität Jyväskylä. Die Melodie scheine in dieser Hinsicht also weniger bedeutsam zu sein, folgern die beiden Forscher in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”.

Zentner und Eerola analysierten Daten von 120 Kindern aus Genf und Jyväskylä. Die Probanden im Alter von 5 bis 24 Monaten saßen auf dem elterlichen Schoß und wurden so gehalten, dass sie Kopf, Beine und Arme frei bewegen konnten. Die Forscher filmten die Kinder, während diese über Lautsprecher Auszüge aus Mozarts Kleiner Nachtmusik oder Saint-Saëns’ Karneval der Tiere, andere Musikstücke oder aber Sprachaufnahmen hörten.

Die Analyse der Videoaufnahmen zeigte, dass die Kinder beim Hören der Musik häufiger wiederholte, rhythmische Bewegungen vollführten als bei anderen Einspielungen. Im Falle der finnischen Kinder konnte diese Beobachtung durch ein Videosystem zur dreidimensionalen Erfassung von Bewegungen bestätigt werden. Ein Alterseffekt war allerdings nicht erkennbar: Die ältesten Kinder bewegten sich insgesamt nicht rhythmischer als die jüngsten.

Im Falle der Genfer Kinder wurden zudem Tänzer des städtischen Opernhauses gebeten, die Synchronisation der Bewegungen mit den gehörten Rhythmen zu bewerten. Je günstiger diese Einschätzung ausfiel, umso häufiger lachten die Kinder beim Hören der Musik, berichten Zentner und Eerola. Das Aufgreifen eines gehörten Rhythmus, wie es selbst bei Kakadus beobachtet worden sei, könnte also einen sehr grundlegenden Mechanismus im Gehirn widerspiegeln, vermuten die beiden Forscher. Worum es sich dabei handeln könnte und ob der rhythmischen “Ansteckungskraft” gar eine evolutionäre Funktion zukomme, sei derzeit allerdings noch unbekannt.

Forschung: Marcel Zentner, Department of Psychology, University of York, und Tuomas Eerola, Finnish Centre of Excellence in Interdisciplinary Music Research, University of Jyväskylä

Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.1000121107

WWW:
Psychology Department, University of York
Finnish Centre of Excellence in Interdisciplinary Music Research
Rhythmus – was ist das?

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Neugeborene schreien in ihrer Muttersprache
Babys mit Rhythmusgefühl


Posted in: Psychologie, Vermischtes
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (1 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...Loading...

Drucken Drucken


2 Kommentare zu "Säuglinge nehmen Rhythmus auf"

Trackback | Comments RSS Feed

Inbound Links

  1. Babys stehen auf starke Rhythmen | 16. März 2010 11:23
  1. isabell sagt:

    sehr interessanter artikel. säuglinge lieben die musik unglaublich sehr :) meine tochter auch :)

Möchten Sie kommentieren?