Forscher lesen “Aktenzeichen” von Erinnerungen

11. März 2010 18:00 Drucken

Bild zeigt junge Frau in karierter Jacke, Jeans, dunkle Haare, einen Brief in einen großen feuerroten Briefkasten einwerfend Erinnerungen hinterlassen erstaunlich gut unterscheidbare Spuren im Gehirn. Das haben englische Neurowissenschaftler zeigen können. Bei ihren Versuchen konnten sie anhand der Gehirnaktivität mit einiger Sicherheit bestimmen, an welchen von drei zuvor gesehenen Filmen sich die Teilnehmer gerade erinnerten.

Bild: Wellcome Trust Centre for Neuroimaging at UCL

Bei den Tests brachte es ein eigens trainierter Computeralgorithmus auf eine Trefferquote von 45 Prozent, berichtet die Gruppe um Eleanor Maguire vom University College London im Fachblatt “Current Biology”. Bei reinen Zufallstreffern hätte die Quote bei 33 Prozent gelegen.

Maguire und Kollegen führten ihre Studie mit zehn Teilnehmern durch. Diese sahen mehrmals drei kurze Filmsequenzen, in denen Schauspielerinnen alltägliche Handlungen ausführten – beispielsweise einen Brief aus einer Tasche kramten und in einen Briefkasten warfen. Danach mussten sich die Teilnehmer eine der Szenen möglichst lebhaft ins Gedächtnis rufen, während ihre Gehirnaktivität per funktioneller Kernspintomografie kartiert wurde.

Für jeden Film wurde diese Prozedur 17 Mal wiederholt. In den so gewonnenen Trainingsdaten suchte ein Computerprogramm nach typischen Aktivitätsmustern im Hippocampus, gewissermaßen dem Zentralregister für in verschiedenen Teilen der Großhirnrinde gespeicherte Erinnerungskomponenten. Bei den nachfolgenden Testdurchgängen erwiesen sich diese Muster als so spezifisch, dass die Software in beinahe jedem zweiten Fall richtig tippte.

Im Rahmen einer früheren Studie hatte die Gruppe anhand der Aktivität im Hippocampus ermitteln können, an welcher Stelle eines virtuellen Raums sich ihre Versuchsteilnehmer gerade aufhielten. Die neuen Resultate belegten, dass auch komplexere, episodische Erinnerungen im Hippocampus repräsentiert seien, so Maguire. “Da wir nun wissen, wo sie sind, können wir untersuchen, wie Erinnerungen gespeichert werden und wie sie sich im Laufe der Zeit verändern.”

Forschung: Martin J. Chadwick, Demis Hassabis, Nikolaus Weiskopf und Eleanor A. Maguire, Wellcome Trust Centre for Neuroimaging, Institute of Neurology, University College London

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 20, DOI 10.1016/j.cub.2010.01.053

WWW:
Wellcome Trust Centre for Neuroimaging, UCL
Long-Term Memory and the Hippocampus

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