Ein Sinn für Fett
Ob ein Mensch zu Übergewicht neigt, hängt vielleicht auch von seinem Geschmackssinn ab. Diesen Schluss legt eine Pilotstudie australischer und neuseeländischer Forscher nahe. Dabei fielen Teilnehmer mit einem feinen Geschmack für Fettsäuren durch eine kalorienärmere Ernährung und eine geringere Leibesfülle auf.
Foto: John Wilbanks via Flickr (Creative Commons Attribution Share-Alike 2.0)
Die neuen Resultate bestätigten, dass Menschen gewissermaßen über einen sechsten Geschmackssinn verfügten, erklärt Russell Keast von der Deakin University im australischen Bundesstaat Victoria. Und möglicherweise beeinflusse dieser Sinn für Fett auch die Ernährungsgewohnheiten.
Keast und Kollegen führten zunächst Tests mit 31 Personen durch, die versuchen sollten, die Fettsäuren Ölsäure, Linolsäure und Laurinsäure am Geschmack zu erkennen und zu unterscheiden. Tatsächlich gelang ihnen dies, sobald die jeweilige Konzentration über wenigen Zehntel Gramm pro Liter lag. Auch enthielt der Speichel der Teilnehmer das Enzym Lipase, das solche Fettsäuren aus Nahrungsfetten freisetzt.
Die Forscher nahmen daraufhin 54 Personen näher unter die Lupe. Zwölf davon konnten Ölsäure schon bei relativ niedrigen Konzentrationen schmecken. Gemessen an ihrem Body-Mass-Index und ihren Ernährungstagebüchern, waren diese Personen schlanker und aßen fett- und energieärmer als die übrigen Teilnehmer, berichten Keast und Kollegen im “British Journal of Nutrition”. Zudem konnten sie Süßspeisen anhand des Geschmacks gut nach ihrem Fettgehalt sortieren.
Welcher Zusammenhang zwischen Fett-Geschmackssinn und Ernährung bestehe, müsse nun eingehender untersucht werden, so Keast weiter. Angesichts der hohen Verfügbarkeit von Fett in der modernen Ernährung sei durchaus auch eine wechselseitige Beeinflussung denkbar: “Vielleicht wird der Geschmackssinn im Laufe der Zeit unempfindlich gegenüber Fett, was wiederum die Anfälligkeit einiger Menschen für übermäßigen Fettverzehr erhöht.”
Forschung: Jessica E. Stewart und Russell S. J. Keast, School of Exercise and Nutrition Sciences, Deakin University, Burwood, Victoria; Peter M. Clifton, Royal Adelaide Hospital und Centre of Clinical Research Excellence in Nutritional Physiology, Interventions and Outcomes, University of Adelaide; und andere
Veröffentlichung British Journal of Nutrition, DOI 10.1017/S0007114510000267
WWW:
School of Exercise and Nutrition Sciences, Deakin University
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