Posted in: Psychologie 5. März 2010 14:17 Weiter lesen →

Auge verrät Entscheidungen

Nahaufnahme eines Auges, darüber gelegt ein Fadenkreuz, im Zentrum die Pupille, Lichtreflexe Auch wenn bei Karl May viel Fantasie mit im Spiel war – in einem Punkt hatte er offenbar Recht. Sobald das Gehirn eine Entscheidung trifft, kommt es zu einer Erweiterung der Pupille, hat eine internationale Forschergruppe ermittelt. „Old Shatterhand“ hätte also tatsächlich erahnen können, wann sein Gegner mit dem Messer zustechen würde.

Bild: Philipps-Universität Marburg/AG Neurophysik

Dieser Effekt eröffne mit vergleichsweise einfachen Mitteln neue Einblicke in die Arbeitsweise des Gehirns, erläutert Wolfgang Einhäuser-Treyer von der Universität Marburg. „Die Pupille allein erlaubt dabei Vorhersagen in ähnlicher Qualität, wie sie mit ungleich größerem Aufwand durch Kernspintomografen erzielt werden“, so der Neurophysiker.

Einhäuser-Treyer und zwei amerikanische und australische Kollegen führten Versuche mit insgesamt 20 Teilnehmern durch. Diese sollten entweder zu einem beliebigen Zeitpunkt einen Knopf drücken oder eine von fünf nacheinander gezeigten Zahlen auswählen, ihre Wahl aber erst nachträglich verraten. Währenddessen wurde eintausend Mal pro Sekunde ihre Pupillenweite registriert.

Dieser Wert stieg typischerweise eine Sekunde vor dem Drücken des Knopfes rasch an, berichten die Forscher im Fachblatt „Frontiers in Human Neuroscience“. Zu einem ähnlichen Anstieg kam es, während die Versuchsteilnehmer die letztlich gewählte Zahl sahen.

Verantwortlich für den Effekt könnte nach Ansicht der Forscher das Hormon Noradrenalin sein. Früheren Studien zufolge, werde das Hormon im Stammhirn ausgeschüttet, sobald das Gehirn eine Entscheidung treffe und diese in die Tat umsetze. Als Nebeneffekt beeinflusse es die Weite der Pupille bei konstanter Beleuchtung.

Forschung: Wolfgang Einhäuser-Treyer, Arbeitsgruppe Neurophysik, Philipps-Universität Marburg; Christof Koch, Division of Biology und Division of Engineering and Applied Science, California Institute of Technology, Pasadena; Olivia L. Carter, Psychological Sciences, University of Melbourne

Veröffentlichung Frontiers in Human Neuroscience, 4:18, DOI 10.3389/fnhum.2010.00018

WWW:
Arbeitsgruppe Neurophysik, Uni Marburg
Der Artikel online (Open Access)
Pupille
Locus coeruleus

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