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Afrikanische Dame im römischen England

Mittwoch, 3. März 2010, 13:32 • Rubrik Archäologie, Geschichte, Kultur.

Grafik veranschaulicht die Rekonstruktion des Gesichts anhand des Schädels Die multikulturelle Gesellschaft ist kein typisches Phänomen der Neuzeit, demonstriert eine Studie englischer Archäologinnen. Ein Grab aus dem vierten Jahrhundert nach Christus, das im nordenglischen York entdeckt worden war, barg demnach den Leichnam einer jungen Afrikanerin, die offenbar zur High Society der römischen Legionsstadt gehörte.

Grafik: Copyright Aaron Watson, University of Reading

Der Fall der mit reichen Grabbeigaben bestatten Frau und weitere Funde widerlegten die gängigen Vorstellungen über den Aufbau der Gesellschaft im Britannien der Römerzeit, erklärt Hella Eckardt von der Universität Reading. Das gelte insbesondere für “die Ansicht, dass afrikanische Immigranten damals einen niedrigen Status hatten, männlich und in der Regel Sklaven waren”.

Eckardt und Kolleginnen wandten eine Batterie archäologischer, physikalischer und forensischer Methoden an, um mehr über die “Dame mit dem Elfenbein-Armreif” zu erfahren. Beigesetzt in einem steinernen Sarg, war das Skelett der jungen Frau bereits im Jahr 1901 gefunden worden – zusammen mit Schmuck aus Elfenbein und Gagat oder “Schwarzem Bernstein”, einem Flakon aus blauem Glas und einem Glasspiegel.

Zwei Fotos zeigen blauen Glasflakon und Armreife aus Elfenbein und schwarzem Gagat Fotos: Gareth Buddo, Copyright The Yorkshire Museum

Unter anderem vermaßen die Forscherinnen die Schädelform und bestimmten die Konzentrationsverhältnisse verschiedener Sauerstoff- und Strontiumisotope im Gewebe. Wie sie im Fachblatt “Antiquity” berichten, stammte die junge Frau wahrscheinlich aus Nordafrika und hatte dort oder in einer anderen Region des Mittelmeerraums auch die ersten Jahre ihres Lebens verbracht. In Eboracum, dem späteren York, dürfte sie den wohlhabenden Kreisen angehört haben und als Christin gestorben sein.

“Bislang mussten wir uns an alte Schriftbelege halten, wenn wir etwas über Ausländer im römischen Britannien erfahren wollten”, so Eckardt weiter. Die umfassende Untersuchung des Skeletts und der Begräbnisstätte ermögliche es dagegen, ein klares Profil einer solchen Person, ihrer Herkunft und ihres sozialen Status zu erstellen. “Daraus ergibt sich ein Bild des römischen York als höchst vielfältigem Ort, dessen Bevölkerung auch wohlhabende Männer, Frauen und Kinder aus dem romanisierten Nordafrika bzw. Mittelmeerraum umfasste.”

Forschung: Stephany Leach, Hella Eckardt, Carolyn Chenery, Gundula Müldner und Mary Lewis, Department of Archaeology, University of Reading, und NERC Isotope Geosciences Laboratory, British Geological Survey, Nottingham

Veröffentlichung Antiquity, Vol. 84(323), pp 131-45

WWW:
Archaeology, University of Reading
- A Long Way from Home: Diaspora Communities in Roman Britain
Yorkshire Museum and Gardens
Roman York (Eboracum)
Gagat

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