Posted in: Ernährung, Gesundheit, Medizin 2. März 2010 13:04 Weiter lesen →

Neue Zweifel am Body-Mass-Index

Wenn es um das Risiko für Herz und Kreislauf geht, wird häufig der Body-Mass-Index als Indikator herangezogen. Andere Maße sind für eine solche Abschätzung jedoch besser geeignet, haben deutsche Mediziner im Rahmen zweier Studien ermittelt. Besonders aussagekräftig ist demnach das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße.

Foto: Simone van den Berg/Fotolia

Je höher dieser Wert und je ausgeprägter damit der „Bauchspeck“ ist, desto größer ist auch das Herz-Kreislauf-Risiko, ermittelten Harald Schneider vom Universitätsklinikum München und seine Kollegen anhand der Daten von mehr als 10.000 Männern und Frauen. Der BMI habe dagegen keinerlei Aussage erlaubt, so der Mediziner. Daher sei zu hoffen, dass die Empfehlungen für die Messung des Körperfetts bald geändert würden.

Gemessen an den BMI-Kriterien der Weltgesundheitsorganisation, sind mehr als 60 Prozent der Deutschen zumindest übergewichtig. Die Folgen für das Gesundheitssystem lassen sich anhand dieser Zahl jedoch schwer abschätzen, da es für das Herz-Kreislauf-Risiko auch darauf ankommt, wie sich die überschüssigen Pfunde auf Bauch, Beine und Gesäß verteilen.

Gemeinsam mit Kollegen aus München, Greifswald, Dresden und Lübeck ging Schneider der Frage nach, welche Maße eine bessere Risikoeinschätzung gestatten. Dazu analysierten die Mediziner die Daten von rund 6.300 bzw. 4.300 Personen, die an zwei Studien mit mittleren Beobachtungsdauern von 3,3 bzw. 8,5 Jahren teilgenommen hatten.

Für jeden Teilnehmer ermittelten die Mediziner den Taillenumfang, den Quotient von Taillenumfang und Körpergröße, den Quotient von Taillen- und Hüftumfang und den Body-Mass-Index als Quotient von Körpermasse und Quadrat der Körpergröße. Dann testeten sie, ob und wie deutlich mit den jeweiligen Werten das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und das Sterberisiko im Beobachtungszeitraum stieg.

Es zeigte sich, dass das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße am ehesten eine statistisch belastbare Aussage erlaubte, der BMI im Rahmen der beiden Studien dagegen nicht. Für die beiden übrigen Maße zeigte sich ein mäßig deutlicher Anstieg des Erkrankungs- bzw. Todesrisikos mit dem jeweiligen Wert.

Forschung: Harald J. Schneider und Günter K. Stalla, Medizinische Klinik am Klinikum der Universität München und Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München; Nele Friedrich und Henri Wallaschofski, Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, Universität Greifswald; und andere

Veröffentlichung Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, Vol. 95(4), DOI 10.1210/jc.2009-1584

WWW:
Medizinische Klinik – Innenstadt, Universitätsklinikum München
BMI-Rechner

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