Posted in: Medizin 25. Februar 2010 18:03 Weiter lesen →

Demenz im Schlaf ermittelt

Aus der Lage eines Patient in seinem Bett kann auf die Schwere einer Demenz geschlossen werden. Damit genügt die bloße Beobachtung des spontanen Verhaltens, um Hinweise auf die kognitive Leistungsfähigkeit eines Patienten zu erhalten. Diese Möglichkeit entdeckten Wissenschaftler der Universität Leipzig und der Universität Würzburg bei Versuchen mit 110 Patienten einer Klinik für Neurologie.

Foto: Adam Borkowski /Fotolia

Für die Erhebung wurden die Patienten gebeten, sich aus dem Sitzen heraus in ihr Bett zu legen. Die Lage wurde dabei von einer Kamera festgehalten. Um den Grad der kognitiven Störung zu ermitteln, führten die Ärzte anschließend drei etablierte neuropsychologische Testverfahren mit den Patienten durch. Dabei zeigte sich, dass der Grad der Schieflage und die Schwere der Beeinträchtigung miteinander in enger Beziehung standen.

Je schiefer sich jemand hinlegt, desto stärker ist offenbar seine kognitive Leistungsfähigkeit gestört. Die Forscher führen die Schräglage auf eine räumliche Orientierungsstörung des Betroffenden zurück. Diese mache es den Betroffenen unmöglich, sich selbst in einem umgrenzten Raum zu positionieren, berichten sie im „British Medical Journal“.

„Kognitive Störungen sind im Frühstadium in der Regel nicht ohne aufwändige Testung erkennbar“, sagt Joseph Claßen, Direktor der Leipziger Poliklinik für Neurologie; „eine Schräglage stellt ein Indiz für den behandelnden Arzt dar, denn gesunde Erwachsene legen sich spontan gerade ins Bett. Der Arzt kann nun früher seine Aufmerksamkeit auf eine mögliche kognitive Beeinträchtigung richten und weitere Untersuchungen gezielter vornehmen. Wir hoffen, dass auf diese Weise die frühe Erkennung einer Demenzerkrankung begünstigt wird.“

Forschung: Peter Kraft, Ottar Gadeholt, Matthias J Wieser, Jenifer Jennings, Joseph Classen, in British Medical Journal 2009;339:b5273

WWW:
Abstract im BMJ
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universität Leipzig

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1 Kommentar zu "Demenz im Schlaf ermittelt"

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  1. David sagt:

    Ein paar mehr Infos wären schön gewesen…

    Zum Beispiel:
    Handelt es sich um eine „genau dann wenn“-Beziehung?
    Also lässt einen „Schieflage“ automatisch auf eine (Art) Demenz schließen oder ist sie nur ein „hinreichendes Merkmal“ das man betrachten kann, wenn bereits eine Demenz diagnostiziert wurde.

    So wie es im Artikel steht könnte es eine „genau dann wenn“-Beziehung sein, muss aber nicht zwingend, dann wäre die Information aber ohne weitere Informationen ob eine Demenz vorliegt oder nicht vollkommen nutzlos (ungefähr so wie, dass auch ein Bild von einer Verletzung noch kein Befund ist und noch lange nichts aussagekräftiges ist)

    Bitte noch ein bisschen mehr Informationen in zukünftigen Artikeln…
    Das ist ja super-interessant aber eben auch nicht sehr nützlich, wenn man nicht alles weiß, was es dazu zu wissen gilt…