Posted in: Genetik, Psychologie 22. Februar 2010 21:00 0 Kommentare Weiter lesen →

Familiäre Gesichtserkennung

Wie gut ein Mensch andere Personen wiedererkennt, hängt in erstaunlichem Maße von seinem Erbgut ab. Entsprechende Resultate hat ein Internet-Experiment erbracht, das eine internationale Forschergruppe durchgeführt hat. Eineiige Zwillinge schnitten dabei ähnlich gut ab, während sich bei zweieiigen Zwillingen teils deutliche Unterschiede zeigten.

“Die Gesichtserkennung ist eine Fähigkeit, auf die wir im Alltag laufend zurückgreifen, und die gleichzeitig einer ausgeprägten Variabilität unterliegt”, erklärt Bradley Duchaine vom University College London. Gemessen an den neuen Resultaten, gehe diese Variabilität zum größten Teil auf genetische Unterschiede zwischen den Individuen zurück, folgern der Psychologe und seine Kollegen in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Gehirne eineiiger Zwillinge sehr ähnlich auf den Anblick von Gesichtern reagieren. Zudem treten Probleme bei der Gesichtserkennung nicht selten familiär gehäuft auf. Duchaine, Jeremy Wilmer vom Wellesley College und ihre Kollegen machten nun die Probe aufs Exempel und ließen 164 Paare eineiiger Zwillinge und 125 zweieiiger Zwillinge einen Test absolvieren, bei dem sich die Teilnehmer sechs Gesichter einprägen und wiedererkennen müssen.

Es zeigte sich, dass die Testergebnisse der eineiigen, genetisch identischen Zwillinge doppelt so stark miteinander korrelierten wie die Ergebnisse der zweieiigen Zwillinge, die im Schnitt nur die Hälfte ihrer Genvarianten gemeinsam haben. Faktoren wie das familiäre Umfeld oder Begegnungen mit Personen mit einem anderen ethnischen Hintergrund können die Variabilität nur zu einem geringen Teil erklären, so die Forscher.

Der genetische Einfluss auf die Gesichtserkennung scheint zudem sehr spezifisch zu sein, fanden die Psychologen. Versuchsweise verglichen sie die Resultate des Gesichtserkennungstest mit denen zweier weiterer Tests, bei denen Zwillinge bzw. unterschiedlich alte Geschwister sich Wortpaare und abstrakte Farbmuster einprägen mussten. Zu ihrer Verblüffung fanden die Forscher eine bestenfalls mäßig starke Korrelation zwischen den Ergebnissen. Offenbar handelt es sich bei der Gesichtserkennung um eine ganz eigene Fähigkeit, folgern sie.

Forschung: Jeremy B. Wilmer, Department of Psychology, Wellesley College, Wellesley; Ken Nakayama, Department of Psychology, Harvard University, Cambridge; Bradley Duchaine, Institute of Cognitive Neuroscience, University College London; und andere

Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0913053107

WWW:
Human Variation in Vision Lab, Jeremy Wilmer
Faceblind.org
- Cambridge Face Memory Test
Face Recognition
Gesichter und Menschen

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Weiter Erkennens-Spielraum
Genetik der Gesichtserkennung


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