Posted in: Biologie 18. Februar 2010 16:27 Weiter lesen →

Grillen warnen via Ei

Foto zeigt Grille, stämmiges dunkles Insekt mit langen Antennen, über den Rand eines Blatts schauend Schon während der Eiproduktion geben Grillenweibchen ihrem Nachwuchs gute Ratschläge mit auf den Weg. Diesen Schluss legen Experimente zweier amerikanischer Biologen nahe. Die Nachkommen von Weibchen, die einen Spinnenangriff erlebt haben, sind demnach sehr viel vorsichtiger als solche von unbehelligten Weibchen.

Foto: Cody Hough via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share-Alike 3.0 Unported)

Derart vorgewarnte Grillen haben bessere Überlebenschancen, wenn sie selbst mit Spinnen konfrontiert werden, fanden Jonathan Storm und Steven Lima von der Indiana State University. Eine solche Weitergabe von Information über Fressfeinde, ohne direkte elterliche Fürsorge, könnte weiter verbreitet sein als bislang angenommen, schreiben die Forscher im Fachblatt „American Naturalist“.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Insektenweibchen und auch -männchen ihren Nachwuchs via Eizellen bzw. Sperma auf Krankheitserreger einstimmen können. Storm und Lima gingen nun der Frage nach, ob eine solche Informationsweitergabe auch durch Fressfeinde ausgelöst werden kann.

Die beiden Forscher setzten befruchtete Grillen (Gryllus pennsylvanicus) in Behältnisse, in denen eine Wolfspinne (Hogna helluo) saß. Die Kieferklauen der Spinne hatten sie zuvor mit einem Wachs bedeckt, sodass der Räuber die Beute zwar packen, aber nicht verletzen oder töten konnte. Nachdem der Nachwuchs der Grillen geschlüpft war, zeigte sich ein bemerkenswerter Effekt.

Nachkommen von attackierten Weibchen gingen häufiger in Deckung, nachdem sie in ein Terrarium mit einer Wolfspinne gesetzt worden waren, und hielten sich doppelt so lange versteckt wie Nachkommen einer Kontrollgruppe. Zudem reagierten die „vorgewarnten“ Grillen besonders empfindlich auf Seidenfäden oder Kot von Wolfspinnen, indem sie förmlich erstarrten. Ähnliche Unterschiede fanden die Forscher bei Nachwuchs von Grillenweibchen, die sie im Freiland auf Flächen mit unterschiedlich hoher Spinnendichte gesammelt hatten.

Die Biochemie der Informationsweitergabe ist noch unklar. Möglicherweise lösten belastende Erlebnisse in den Elterntieren die Ausschüttung von Hormonen aus, die wiederum die Entwicklung der Embryonen beeinflussten, so Storm und Lima.

Forschung: Jonathan J. Storm und Steven L. Lima, Department of Biology, Indiana State University, Terre Haute

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 175(3), pp 382-90, DOI 10.1086/650443

WWW:
Biology Department, Indiana State University
Jonathan Storm, University of South Carolina Upstate
Fall Field Cricket

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Väterliche Warnung
Kaltblütig aus dem Ei


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1 Kommentar zu "Grillen warnen via Ei"

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  1. YeRainbow sagt:

    interessant wäre festzustellen, ob der Grillennachwuchs speziell auf die genannte spinnenart reagiert, oder insgesamt ein ängstlicheres Verhalten auf potentielle Gefahr zeigen (wäre zu vermuten)….

    Entspricht dann dem meßbar ängstlicheren Verhalten von nachwuchs traumatisierter Eltern (im tierversuch ausreichend nachgewiesen…)

    Möglicherweise ist das ein universelles Prinzip.