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Recycling-Behausungen in der Tiefsee

Donnerstag, 11. Februar 2010, 20:41 • Rubrik Biologie, Chemie, Geologie.

Mikroskopaufnahme einer körnigen Foraminiferenschale, in mehrere gegeneinander versetzte Kammern unterteiltAm Meeresgrund geht ein wahrer Schnee abgestorbener Organismen aus lichtdurchfluteten Wasserschichten nieder. In fast elf Kilometern Tiefe im Marianengraben stellt das kostbare Material nicht nur die Nahrungsgrundlage dar, haben englische und japanische Forscher entdeckt. Dort heimische Einzeller verwenden es auch als Baumaterial für eine stabile Hülle.

Ähnlich Foraminiferen der Gattung Textularia (Bild), lesen die vier Tiefseebewohner Material aus der Umgebung auf. Bild: US Geological Survey

Die Wiederverwerter gehören zu den Foraminiferen und damit zu einer besonders erfolgreichen Gruppe tierischer Einzeller. “Die tiefsten Stellen der Tiefseegräben sind sehr unwirtliche Orte, zumindest für manche Typen von Organismen”, erläutert Andrew Gooday vom National Oceanography Centre in Southampton. “Bestimmte Foraminiferen sind in dem Sediment dort jedoch recht häufig.”

Gooday und Kollegen studierten Sedimentproben, die der japanische Tauchroboter Kaiko im Jahr 2002 im Challengertief genommen hatte – mit knapp 10.900 Metern Tiefe einer der tiefsten Punkte des Marianengrabens und damit der Ozeane überhaupt. In dem Material fanden die Forscher Foraminiferen, die vier bislang nicht beschriebenen Arten angehören und offenbar nicht wählerisch sind beim Bau ihrer Wohnkammern.

Die stabile Hülle der Neulinge besteht zwar aus organischem Material, berichten die Forscher im Fachblatt “Deep Sea Research”. Eingebettet in diese Hülle fanden sich jedoch Fragmente aus den Kalkschalen von Algen und von Foraminiferen aus höheren Wasserschichten.

Dieser Befund sei umso überraschender, als sich Kalk- oder Quarzmineralien ab einer gewissen Tiefe im Meerwasser auflösen, so Gooday. Offenbar sinke ein Teil der abgestorbenen Organismen und Kotbällchen jedoch so schnell, dass auch die mineralischen Bestandteile in fast elf Kilometern Tiefe ankämen und dort von Foraminiferen in ihre Hüllen einbaut werden könnten. Letztlich obsiegt allerdings die Thermodynamik: mitunter fanden die Forscher in den organischen Hüllen nur noch Abdrücke längst aufgelöster Kalkplättchen.

Forschung: Andrew J. Gooday, National Oceanography Centre, Southampton; Hiroshi Kitazato, Institute of Biogeosciences, Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology, Yokosuka; und andere

Veröffentlichung Deep Sea Research Part I: Oeanographic Research Papers, Vol. 57(2). pp 239-47, DOI 10.1016/j.dsr.2009.11.003

WWW:
DEEPSEAS Group, Southampton
Kaiko, JAMSTEC
Foraminifera
Calcit- und Aragonit-Kompensationstiefe

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Neues Leben aus der Tiefsee



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