Hirnströme verraten ersten Eindruck
11. Februar 2010 16:37 Drucken
Ein kurzer Blick, und schon hat man sich ein Bild von einer wildfremden Person gemacht. Was dabei im Gehirn geschieht, haben englische und amerikanische Neurowissenschaftler untersucht. Bei ihren Hirnstrommessungen fanden sie Aktivitätsmuster, die mit einer mehr oder weniger günstigen Einschätzung zweier fremder Gesichter einhergingen.
Bild: Public Domain
Alle diese Muster seien noch vor der bewussten Entscheidung für eines der zwei Gesichter aufgetreten, erklärt Joydeep Bhattacharya vom Goldsmiths College der University of London. Vermutlich ständen sie mit dem Entstehen des “ersten Eindrucks” und mit dem Entscheidungsfindungsprozess im Gehirn in Zusammenhang, folgern der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt “Neuroimage”.
Bhattacharya und Kollegen zeigten ihren Versuchsteilnehmern nacheinander Bilder zweier sehr ähnlicher Gesichter und baten sie, jenes zu benennen, das zu dem umgänglicheren Menschen gehörte. Während des gesamten Prozesses wurden die Hirnströme der Teilnehmer mit einer Reihe von Elektroden auf der Kopfhaut registriert.
Die statistische Analyse der Daten offenbarte drei Auffälligkeiten. Eine zeigte sich schon Sekundenbruchteile nach dem Anblick des ersten Gesichts: Wurde dieses letztlich bevorzugt, registrierten die Elektroden einen kräftigeren positiven Potenzialausschlag als nach dem Anblick eines nicht-bevorzugten ersten Gesichts.
Die beiden übrigen Effekte zeigten sich erst nach dem Anblick des zweiten Gesichts. Wurde dieses bevorzugt, traten im Bereich der Stirnlappen verstärkte langsame Oszillationen auf. Wurde das zweite Gesicht nicht bevorzugt, verstärkten sich dagegen schnellere Oszillationen im Bereich der Hinterhauptslappen.
Die neuen Resultate knüpften an die Frage an, in welchem Maße Entscheidungen bewusst oder unbewusst getroffen würden, erläutert Bhattacharya weiter. Nach der Antwort suchten Neurowissenschaftler und Philosophen gleichermaßen. “Es spricht allerdings vieles dafür, dass wir uns der Gehirnprozesse, die in eine Entscheidung münden, nicht vollständig bewusst sind.”
Forschung: Job P. Lindsen und Joydeep Bhattacharya, Department of Psychology, Goldsmiths, University of London, und Kommission für wissenschaftliche Visualisierung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien; Shinsuke Shimojo, Division of Biology, California Institute of Technology, Pasadena
Veröffentlichung NeuroImage, DOI 10.1016/j.neuroimage.2010.01.079
WWW:
Department of Psychology, Goldsmiths
Shimojo Psychophysics Laboratory, Caltech
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