Hefe heizt Blüten

10. Februar 2010 01:01 Drucken

Foto zeigt strauchartige Pflanze, tief gefiederte Blätter, hellgrüne Hoch- und Kelchblätter, im Schnee Nicht selten sind die Blüten einer Pflanze wärmer als die Umgebung. Im Falle der Stinkenden Nieswurz scheinen einzellige Mitbewohner für dieses Phänomen verantwortlich zu sein, haben spanische Biologen beobachtet. Indem sich Hefepilze über den zuckerhaltigen Nektar hermachen, erhitzt ihr Stoffwechsel die Blüten um bis zu sieben Grad Celsius.

Foto: Carlos M. Herrera

Von der mikrobiellen Heizung könne die früh im Jahr blühende Nieswurz gleich mehrfach profitieren, erläutern Carlos Herrera und María Pozo von der Biologischen Station Doñana in den “Proceedings of the Royal Society”. Einerseits fördere die Wärme die Entwicklung der Blüten, andererseits seien beheizte Blüten bei kühlen Außentemperaturen besonders attraktiv für Hummeln und andere Bestäuber.

Herrera und Pozo führten ihre Experimente in einem Gebirgszug nahe der andalusischen Stadt Jaén durch. Obwohl die Durchschnittstemperatur in März und April nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt lag, waren dort bereits Hummeln auf der Suche nach Nektar unterwegs. Zu ihren bevorzugten Anlaufpunkten gehörten die runden Blüten der Stinkenden Nieswurz (Helleborus foetidus).

Die Forscher hüllten die noch geschlossenen Blüten einiger Pflanzen in Netze, die Bestäubern den Zugang verwehrten, und verhinderten so die Einschleppung von Hefezellen. In der Folge stieg die Temperatur in diesen Blüten nur wenig über die Umgebungstemperatur, ergaben Messungen mit einem hauchdünnen Thermometer. Impften die Forscher solche “sterilen” Blüten mit einem Hefepilz an, erwärmten sich Blüteninnenraum und Nektar ebenso stark wie bei Kontrollblüten. Der Effekt war umso ausgeprägter, je besser sich die Hefe im Nektar vermehrte.

Einige Pflanzen wie Aronstäbe oder Palmfarne kurbeln ihren Stoffwechsel an, um mit der Abwärme ihre Blütenstände zu beheizen. Andere, etwa Ringelblumen und Schneebutterblume, fangen dagegen das Sonnenlicht ein. Offenbar hat sich die Stinkende Nieswurz eine dritte Wärmequelle erschlossen, folgern Herrera und Pozo.

Wie genau sich die mikrobielle Stoffwechselwärme auf die Fortpflanzung der Pflanze auswirke, müssten weitere Experimente zeigen, betonen die beiden Biologen. Spannend ist ihrer Ansicht nach auch die Frage, ob der Nutzen irgendwann ins Gegenteil umschlägt: Indem die Hefe den Zucker im Nektar aufzehrt, könnten die Blüten wieder an Attraktivität für potenzielle Bestäuber verlieren.

Forschung: Carlos M. Herrera und María I. Pozo, Estación Biológica de Doñana, CSIC, Sevilla

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2009.2252

WWW:
Estación Biológica de Doñana
- Herrera Lab
Stinkende Nieswurz

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