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Schmetterlinge auf der Überholspur

Donnerstag, 4. Februar 2010, 20:00 • Rubrik Biologie.

Foto zeigt Distelfalter, dunkle Flügel mit hellbraunen und weißen Flecken, auf einem fliederfarbenen Blütenstand, hellblauer Himmel Ähnlich Zugvögeln, pendeln auch viele Insekten zwischen Sommer- und Winterquartieren. Trotz ihrer geringen Größe sind sie dem Wind dabei nicht hilflos ausgeliefert – im Gegenteil, belegen Radarbeobachtungen englischer Forscher. Schmetterlinge verstehen es demnach, den Wind optimal auszunutzen, und kommen daher schneller voran als so mancher Vogel.

Foto: Courtesy of Jane Hill

Zumindest einige Schmetterlingsarten können in einer guten Nacht bis zu 700 Kilometer zurücklegen, schätzen die Biologen und Meteorologen um Jason Chapman vom Forschungsinstitut Rothamstead Research. Den Flug von England in den Mittelmeerraum bzw. in Gegenrichtung könnten die Tiere daher in wenigen Tagen meistern, schreibt die Gruppe im Magazin “Science”.

Die Forscher nutzen für ihre Untersuchungen ein eigens entwickeltes Insektenradar, das vertikal ausgerichtet ist und Echos aus Höhen zwischen 150 und 1.200 Metern registriert. Einer mathematischen Analyse unterzogen, erlaubt die Form der Radarechos Rückschlüsse nicht nur auf Flugrichtung und -geschwindigkeit der erfassten Insekten, sondern auch auf deren Orientierung und Körpermasse.

In den Jahren 2000 bis 2007 konnte die Gruppe auf diese Weise Daten über mehr als 100.000 Individuen gewinnen, die Südengland in Frühjahr oder Herbst überflogen. Nachts waren es vor allem Gammaeule, Hausmutter und verschiedene Schwärmer, am Tag vor allem Admiral und Distelfalter. Die beobachteten Massenwanderungen dürften mehr als zwei Milliarden Tiere umfasst haben, schätzen Chapman und Kollegen.

Gemessen an ihrem Flugverhalten, haben die “Zugfalter” ein feines Gespür für den Wind. Im Frühling waren sie vornehmlich dann unterwegs, wenn der Wind aus Süden wehte. Im Herbst nutzten sie wiederum Wind aus nördlichen Richtungen und glichen eine gelegentliche Ostdrift aus, indem sie sich entsprechend nach Westen orientierten. Damit nicht genug, hielten sich zumindest die Gammaeulen meist in Höhen knapp über 400 Metern auf und damit in der Luftschicht mit der höchsten Windgeschwindigkeit.

Forschung: Jason W. Chapman, Rebecca L. Nesbit und Jane K. Hill, Plant and Invertebrate Ecology Department, Rothamstead Research, Harpenden, und Department of Biology, University of York; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 327, 5. Februar 2010, pp 682-5, DOI 10.1126/science.1182990

WWW:
The Rothamstead Insect Survey
Biology Department, University of York
Schmetterlinge
Lepidoptera Migration

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