Posted in: Genetik, Gesundheit, Medizin 3. Februar 2010 19:00 0 Kommentare Weiter lesen →

Erbgutlücke macht dick

Viele Erbgutvarianten bringen ein nur leicht erhöhtes Risiko für Übergewicht mit sich. Von erstaunlicher Durchschlagskraft ist dagegen eine Variante, die eine internationale Forschergruppe identifiziert hat. Der Wegfall eines DNA-Abschnitts mit etwa 30 Genen geht demnach praktisch immer mit Fettsucht im Erwachsenenalter einher.

Foto: Simone van den Berg /Fotolia

Die Deletion auf Chromosom 16 dürfte ungefähr 0,7 Prozent aller Fälle von extremer Adipositas zugrunde liegen, schätzen Robin Walters vom Imperial College London und seine Kollegen. “Der kombinierte Effekt mehrerer Variationen dieses Typs könnte, obwohl jede einzelne davon selten ist, einen großen Teil des genetischen Risikos für Fettleibigkeit erklären”, so der Humangenetiker.

Walters und Kollegen fanden die Deletion bei genetischen Tests an 312 Kindern und Erwachsenen in England und Frankreich. Alle waren untersucht worden, weil sie starkes Übergewicht in Kombination mit einer gestörten Entwicklung aufwiesen. Es zeigte sich, dass bei 31 von ihnen ein großer DNA-Abschnitt nur noch in einfacher Ausführung vorhanden war und nicht in doppelter. Als Folge werden weniger Blaupausen der in dem Abschnitt liegenden Gene hergestellt, berichten die Forscher im Magazin “Nature”. Warum dadurch die Körpermasse außer Kontrolle gerät, ist noch unklar.

Um mehr über die Häufigkeit und die Auswirkungen der Deletion zu erfahren, analysierten die Forscher die Daten von rund 16.000 über- und normalgewichtigen Kindern und Erwachsenen aus mehreren europäischen Ländern. Dabei stießen sie auf 19 weitere, ausnahmslos fettleibige Träger der Deletion. Diese war von einem Elternteil geerbt worden, das dann ebenfalls adipös war, in vielen Fällen aber auch neu aufgetreten, ergaben weitere Tests.

“Dass die Fettleibigkeit in den Industrienationen seit einiger Zeit immer häufiger wird, geht letztlich auf ein ungesundes Umfeld zurück, mit einem Überangebot an ungesunden Lebensmitteln und zu wenig körperlicher Betätigung”, erklärt Walters’ Kollege Philippe Frougel. “Dass Menschen darauf unterschiedlich reagieren, hat häufig jedoch genetische Gründe.” Die Untersuchung weiterer extremer Fälle könnte helfen, mehr über diese genetischen Faktoren zu erfahren und neue Gegenstrategien zu entwickeln, hofft der Mediziner.

Forschung: Robin G. Walters und Philippe Froguel, Section of Genomic Medicine und Department of Epidemiology and Public Health, Imperial College London; Sébastien Jacquemont und Jacques S. Beckmann, Service de Génétique Médicale, Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, und Departement de Génétique Médicale, Université de Lausanne, Lausanne; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 463, 4. Februar 2010, pp 671-5, DOI 10.1038/nature08727

WWW:
Genomic Medicine, Imperial College London
Service de Génétique Médicale, CHU Vaudois
Übergewicht / Adipositas
Obesity and Genomics

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Gen für weiblichen “Bauchspeck” gefunden
Mehr Appetit durch Antikörper


Posted in: Genetik, Gesundheit, Medizin
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 3,00 von 5)
Loading ... Loading ...

Drucken Drucken


Möchten Sie kommentieren?