Gesichtsmuskeln helfen verstehen
Montag, 1. Februar 2010, 10:47 • Rubrik Psychologie.
Ein gutes Buch verlangt dem Leser auch körperlich einiges ab – zumindest der Gesichtsmuskulatur. Das demonstriert ein Experiment zweier amerikanischer Psychologen. Die Versuchteilnehmer begriffen ärgerliche und traurige Aussagen leicht verzögert, nachdem ihre Muskeln zum Stirnrunzeln vorübergehend gelähmt worden waren.
Foto: dundanim /Fotolia
Fröhliche Aussagen begriffen die Teilnehmer dagegen unverändert schnell, beobachteten David Havas und Arthur Glenberg von der University of Wisconsin, Madison. Die Resultate stützten die Hypothese, dass das körperliche “Nachspielen” von Emotionen helfe, diese zu verstehen, so die beiden Forscher. Gleichzeitig zeigten sie, wie eng das hochentwickelte System Sprache mit grundlegenden Gefühlsprozessen verknüpft sei.
Havas und Glenberg führten ihr Experiment mit 40 Personen durch, die sich zur Verringerung von Stirnfalten Botulinumtoxin spritzen ließen. Das Nervengift verhindert unter anderem die Aktivierung des Augenlidsenkers. Der Muskel zieht die Augenbrauen zusammen und nach unten und trägt damit zu verärgerten und traurigen Gesichtsausdrücken bei.
Während des Versuchs sahen die Teilnehmer emotionsbehaftete Aussagen auf einem Bildschirm und mussten einen Knopf drücken, sobald sie diese gelesen und verstanden hatten. Zwei Wochen nach der Injektion war die Reaktionszeit bei ärgerlichen und traurigen Aussagen länger als vor der Injektion. Der Unterschied war klein, statistisch jedoch eindeutig, berichten die Forscher auf einer Fachtagung in Las Vegas.
Nach Ansicht von Havas und Glenberg, mittlerweile an der Arizona State University, könnte sich der Effekt durchaus auch im Alltag auswirken. Während eines Gesprächs hälfen Gesichtsausdrücke nicht nur dem Hörer, das Gesagte nachzuvollziehen, sondern signalisiertem dem Sprecher auch, dass seine Aussage angekommen sei. Bleibe diese Rückkopplung aus, könnte die glatte Stirn für Reibung in der Kommunikation sorgen.
Forschung: David A. Havas und Arthur M. Glenberg, Department of Psychology, University of Wisconsin, Madison, und Department of Psychology, Arizona State University, Tempe
Präsentation auf dem 11th Annual Meeting of the Society for Personal and Social Psychology, Las Vegas; Veröffentlichung Psychological Science (im Erscheinen)
WWW:
Glenberg Lab, Arizona State University
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