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Vom Winde bewahrt

Donnerstag, 28. Januar 2010, 20:00 • Rubrik Biologie.

Mikroskopaufnahme eines eiförmigen, transparenten Rädertierchens, aus dem verzweigte Pilzfäden wuchern Eine gehörige Portion Zähigkeit hilft, Jahrmillionen ohne Sex zu überleben. Das gilt zumindest für Rädertierchen, haben zwei amerikanische Biologen ermittelt. Die winzigen Wasserbewohner verkraften Austrocknung und Lufttransport besser als ihr ärgster Feind – und sind ihm daher auch ohne Neukombination der Erbanlagen immer einen Schritt voraus.

Rädertierchen, hier ein pilzbefallenes Exemplar, sind ungeachtet ihrer geringen Größe “echte” Vielzeller. Foto: Courtesy of Kent Loeffler, Kathie T. Hodge und C.G. Wilson

“Im Grunde genommen, spielen diese Tiere ein evolutionäres Versteckspiel”, erklärt Paul Sherman von der Cornell University. “Sie können sich vom Wind in parasitenfreie Habitate tragen lassen, sich dort rasch vermehren und dann weiterziehen, bevor ihr Feind sie einzuholen vermag.”

Sherman und sein Doktorand Christopher Wilson studierten den seltsamen Fall der Bdelloida, einer Gruppe von Rädertierchen, die seit mindestens 30 Millionen Jahren ohne Sex auskommt. Die mikroskopisch kleinen Tiere, ausnahmslos Weibchen, vermehren sich stattdessen per Jungfernzeugung.

Ganz im Gegenteil zu ihrem wichtigsten Parasit, dem Schlauchpilz Rotiferophthora: Bei dem Pilz werden verschiedene Genvarianten laufend neu kombiniert, sodass er sich leicht auf seine vergleichsweise “unbeweglichen” Ziele einschießen kann. Umso spannender ist die Frage, warum es überhaupt noch bdelloide Rädertierchen gibt. Eine mögliche Antwort präsentieren Sherman und Wilson im Magazin “Science”.

Die beiden Forscher infizierten Kulturen des Rädertierchens Habrotrocha elusa mit dem Pilz und ließen sie dann austrocknen. Gaben sie nach sieben Tagen wieder Wasser hinzu, erwachten einige Rädertierchen zu neuem Leben. Die erblühende Population wurde allerdings binnen zwei Wochen von dem Parasiten dahingerafft – offenbar hatten auch einige Pilzsporen die kurze Trockenheit überstanden. Letztlich erwiesen sich jedoch die Rädertierchen als zäher: auch nach 21 oder mehr Tagen Trockenheit bildeten sie neue Populationen, von denen mindestens 60 Prozent pilzfrei blieben.

Wurden die eingetrockneten Kulturen zusätzlich einem leichten Windstrom ausgesetzt, genügten sogar schon sieben Tage Trockenheit, um dem Pilz den Garaus zu machen, fanden die Forscher. Zumindest im Falle der bdelloiden Rädertierchen könne Zähigkeit also die Nachteile aufwiegen, die Asexualität in einer sexuellen Welt mit sich bringe.

Forschung: Christopher G. Wilson und Paul W. Sherman, Department of Neurobiology and Behavior, Cornell University, Ithaca, New York

Veröffentlichung Science, Vol. 327, pp 574-7, DOI 10.1126/science.1179252

WWW:
Neurobiology and Behavior, Cornell University
Introduction to the Rotifera
Bdelloida
War of the Microworlds
Red Queen Hypothesis

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Bewegliche Ziele durch Sex
Bärtierchen brauchen keinen Raumanzug
Neue Arten auch ohne Sex



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