Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 27. Januar 2010 13:04 Weiter lesen →

Polwärts besseres Futter

Foto zeigt dichten Bestand von hohem Gras in einer Marsch, Wasserflächen Je weiter man sich vom Äquator entfernt, desto größer werden die Tiere im Allgemeinen. Dieses seit langem bekannte Phänomen geht vielleicht nicht allein auf die Umgebungstemperatur zurück, lassen Experimente amerikanischer und kanadischer Forscher vermuten. Demnach scheinen Pflanzen in höheren Breiten besonders nahrhaft zu sein.

Das Glatte Schlickgras (Spartina alterniflora) ist als invasive Pflanzenart gefürchtet. Foto: US Department of Agriculture-NRCS PLANTS Database

Dieser Faktor könnte Pflanzenfressern und, als Resultat, auch Fleischfressern in gemäßigten und polaren Breiten ein kräftigeres Wachstum ermöglichen als ihren subtropischen und tropischen Verwandten, glauben Chuan-Kai Ho von der University of Houston und seine Kollegen. Ihre Resultate präsentieren die Biologen im Fachblatt „American Naturalist“.

Der Zusammenhang zwischen Körpergröße und geografischer Breite war erstmals im Jahr 1847 von dem Göttinger Forscher Christian Bergmann formuliert worden. Die Bergmannsche Regel wird üblicherweise dadurch erklärt, dass das Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpermasse mit zunehmender Größe sinkt: Große Tiere haben pro Kilogramm Masse weniger Oberfläche, durch die sie Wärme verlieren können.

Ho und Kollegen untersuchten nun, ob ökologische Faktoren ebenfalls zu dem Größentrend beitragen könnten. Dazu fütterten sie Laubheuschrecken (Orchelimum), Spitzkopfzikaden (Prokelisia) und Seehasen (Aplysia) mit Schlickgras (Spartina alterniflora), das entlang der Atlantikküste von Neufundland bis nach Patagonien wächst.

Jene Tiere, die Pflanzen aus höheren Breiten fraßen, wuchsen bis zu 72 Prozent schneller als Artgenossen, die Pflanzen aus niedrigen Breiten bekamen, beobachteten die Forscher. Als Resultat wiesen sie beim Erreichen der Geschlechtsreife eine größere Körpermasse auf.

Offenbar haben Pflanzenfresser in höheren Breiten nahrhaftere Kost zur Verfügung, folgern Ho und Kollegen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Pflanzen in subtropischen und tropischen Gebieten mit mehr Pflanzenfressern und Parasiten konfrontiert werden, so die Forscher. Als Folge könnten sie einen größeren Teil ihrer Nährstoffe und Photosyntheseprodukte für chemische Abwehrmaßnahmen aufwenden.

Forschung: Chuan-Kai Ho und Steven C. Pennings, Department of Biology and Biochemistry, University of Houston, Houston, und Thomas H. Carefoot, Department of Zoology, University of British Columbia, Vancouver

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 175(2), pp 269-76, DOI 10.1086/649583

WWW:
Steven Pennings Group, University of Houston
Bergmannsche und Allensche Regel
Plant Defense Against Herbivory

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