Posted in: Psychologie 25. Januar 2010 10:21 Weiter lesen →

Vor und zurück in der Zeit

Zeit und Raum sind im Gehirn eng verknüpft. Entsprechende Belege liefert ein Experiment schottischer Psychologen. Ihre Versuchteilnehmer bewegten sich leicht nach vorne, wenn sie an die Zukunft dachten. Begaben sie sich gedanklich in die Vergangenheit, bewegten sie sich dagegen nach hinten.

Offenbar beruhe die menschliche Fähigkeit zur mentalen Zeitreise auch auf jenen Schaltkreisen im Gehirn, die für das Planen und Ausführen gerichteter Bewegungen zuständig seien, folgern Lynden Miles von der Universität Aberdeen und seine Kollegen. Ihre Resultate präsentieren die Forscher im Fachblatt „Psychological Science“.

An dem Versuch nahmen 20 Studierende teil, die einen Bewegungssensor oberhalb des Knies trugen und denen die Augen verbunden worden waren. Bequem an einem vorgegebenen Punkt stehend, sollten sie sich ihren Alltag vor vier Jahren ins Gedächtnis rufen bzw. sich ihren Alltag in vier Jahren ausmalen. Im ersten Fall registrierten die Forscher eine Bewegung um rund zwei Millimeter nach hinten, im zweiten eine Bewegung um drei Millimeter nach vorne.

Bereits früher war beobachtet worden, dass das Gehirn beim Umgang mit abstrakteren Konzepten auf solche aus der physischen Welt zurückgreifen scheint. Beispielsweise haben Neurowissenschaftler Hinweise darauf gefunden, dass sich Menschen beim Kopfrechnen an einem geistigen Zahlenstrahl orientieren und beim Subtrahieren und Addieren entsprechend nach links bzw. rechts „denken“.

Forschung: Lynden K. Miles, Louise K. Nind und C. Neil Macrae, School of Psychology, University of Aberdeen

Veröffentlichung Psychological Science, DOI 10.1177/0956797609359333

WWW:
Social Cognition Lab, University of Aberdeen
What Makes Mental Time Travel Possible?

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Bewegung inspiriert
Inneres Auge für Zahlen

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2 Kommentare zu "Vor und zurück in der Zeit"

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  1. Darokthar sagt:

    Das kann auch ein Problem der Sprache sein. Im deutschen heißt es ja „in der Zeit zurück reisen“. Im englischen ist es ähnlich mit „back in time“. Evtl. assoziiert unser Gehrin damit einfach auch eine Bewegung die man unterbewusst ausführt.

    Ich kann mir vorstellen, dass Menschen mit einer Muttersprache in der diese Zusammenhänge nicht existieren anders reagieren.

  2. knudsen sagt:

    @Darokthar: ein Henne Ei Problem? :-)