Eine Tasche im Herzen
Freitag, 22. Januar 2010, 0:01 • Rubrik Medizin.
Manche Schlaganfälle könnten auf eine Art Geheimfach im Herzen zurückgehen, vermuten zwei amerikanische Mediziner. Bei der Untersuchung von 94 Herzen verstorbener Menschen fanden sie in 37 Fällen einen taschenartigen Hohlraum in der Scheidewand zwischen den Vorhöfen.
Grafik: Gray’s Anatomy (Public Domain)
Wenn Blut in dieser Sackgasse stagniere und gerinne, könnte das resultierende Blutgerinnsel fortgeschwemmt werden und eine Gehirnarterie blockieren, erklärt Subramaniam Krishnan von der University of California at Irvine. “Bislang dachte man, dass der Hauptkörper des linken Vorhofes relativ glatt ist und damit nicht als Quelle für Blutgerinnsel infrage kommt”, so der Kardiologe. Die Ansicht müsse möglicherweise revidiert werden.
Die von Krishnan und seinem Kollegen Miguel Salazar entdeckte Tasche ist ein Überbleibsel aus der Zeit im Mutterleib. In der vierten Woche der Embryonalentwicklung wächst eine zweischichtige Scheidewand in das Herz ein und trennt so linken und rechten Vorhof voneinander. Die beiden Schichten dieser Wand liegen zunächst nur locker aufeinander und weisen je eine kleine Öffnung auf, durch die Blut ohne Umweg über die Lunge durch das Herz strömen kann.
Bei etwa jedem vierten Menschen schließt sich dieses Foramen ovale nach der Geburt nicht vollständig. Auch bei 27 der 94 untersuchten Herzen war dies der Fall. Bei weiteren 41 Herzen bestand zwar keine Verbindung zwischen den Vorhöfen mehr, die beiden Schichten der Scheidewand waren jedoch nicht vollständig miteinander “verklebt”. Als Resultat bestand in 37 Fällen ein Hohlraum zwischen ihnen, der sich in den linken Vorhof öffnete.
Laut Krishnan und Salazar handelt es sich bei dieser Tasche um eine bislang unbekannte anatomische Struktur. Per Ultraschall und Computertomographie habe man sie inzwischen ebenfalls nachweisen können, so die Mediziner. Möglicherweise sei sie bei jedem dritten Menschen vorhanden. Ob sie tatsächlich auch einen Bildungsort für Blutgerinnsel darstellt, müssen nun weitere Untersuchungen zeigen.
Forschung: Subramaniam C. Krishnan und Miguel Salazar, University of California at Irvine Medical Center, Orange
Veröffentlichung Journal of the American College of Cardiology: Cardiological Interventions, Vol. 3(1), pp 98-104, DOI 10.1016/j.jcin.2009.07.017
WWW:
Division of Cardiology, UC Irvine
Septation of the Heart
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Herz hilft sich selbst
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