Posted in: Biologie, Kultur 21. Januar 2010 13:36 Weiter lesen →

Vom Überleben der Goldigsten

Foto eines kurzhaarigen Chihuahuas, kleiner Hund mit großen Augen und Ohren, schiefgelegter Kopf Je nach den momentanen „Sachzwängen“, kann die Evolution bemerkenswerte Wege einschlagen. Das beste Beispiel dafür ist der Haushund, zeigen Untersuchungen eines englisch-amerikanischen Forscherduos. Befreit von natürlichen Zwängen und gelenkt durch das ästhetische Empfinden der Züchter, hat die Schädelform bei den verschiedenen Hunderassen eine beispiellose Bandbreite erreicht.

Foto: Tyrone Spady, NHGRI

Der Haushund weise heute eine ähnliche Formenvielfalt auf wie die gesamte übrige Raubtierordnung, erklärt Abby Drake von der University of Manchester. Bei den Raubtieren habe diese Entfaltung viele Millionen Jahre gedauert. „Die schier unglaubliche Vielfalt beim Haushund geht dagegen auf gezielte Zucht in wenigen Hundert Jahren zurück, insbesondere auf die Entwicklung der modernen Rassen in den letzten 150 Jahren.“

Drake, inzwischen am Holy Cross College im US-Bundesstaat Massachusetts tätig, und ihr Kollege Christian Peter Klingenberg vermaßen 50 Schädelmerkmale bei Hunden und anderen Vertretern der Raubtiere (Carnivora). Anhand dieser Daten verglichen sie die Vielfalt und die Extreme der Schädelform in den verschiedenen Gruppen.

Die Extremwerte innerhalb der Haushunde liegen sogar weiter auseinander als bei den übrigen Raubtieren, berichtet das Duo im Fachblatt „American Naturalist“. Beispielsweise unterschieden sich die Schädel von Collie und Pekinese stärker voneinander als die Schädel von Hauskatze und Walross. Zudem ist die Vielfalt innerhalb der Schoßhunde größer als in der Gruppe der Hunderassen, die ursprünglich für einen bestimmten Einsatzzweck wie Jagd oder Hüten gezüchtet worden sind.

„Haushunde leben nicht in der freien Natur, daher müssen sie auch nichts mehr zur Strecke bringen und töten“, so Klingenberg. „Ihr Fressen kommt aus einer Dose und das zäheste, auf dem sie jemals herumkauen werden, dürften die Pantoffeln ihrer Besitzer sein. Daher verkraften sie ein Maß an Variation, das normalerweise zu ihrem Aussterben führen würde, weil es Funktionen wie Atmung und Kauen beeinträchtigt.“

Forschung: Abby Grace Drake und Christian Peter Klingenberg, Faculty of Life Sciences, University of Manchester, und Biology Department, College of the Holy Cross, Worcester, Massachusetts

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 175, März 2010 (im Erscheinen)

WWW:
Klingenberg Lab, University of Manchester
Biology Department, College of the Holy Cross
Raubtiere
Complete Breed List, American Kernel Club

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