Hirn-Händigkeit macht Fische schnell

20. Januar 2010 01:01 Drucken

Foto zeigt gestreiften Fisch zwischen Seegras Eine gewisse Asymmetrie lässt das Nervensystem effizienter arbeiten. Diese Vermutung bekräftigt ein Experiment, das italienische und niederländische Forscher mit Fischen durchgeführt haben. Deren Schrecksekunde war umso kürzer, je stärker sie auf der Flucht nach links oder nach rechts tendierten.

Foto: NOAA

Einst habe man angenommen, eine solche “Schieflage” der Gehirnfunktion trete allein beim Menschen auf, erläutern die Psychologen und Biologen um Marco Dadda von der Universität Padua im Fachblatt “Biology Letters”. Inzwischen sei eine funktionelle Lateralisation aber bei praktisch allen Wirbeltieren und auch in anderen Tierstämmen nachgewiesen worden. Über ihre Vor- und Nachteile herrsche allerdings noch Unklarheit.

Dadda und Kollegen führten ihr Experiment mit 40 pazifischen Brandungsbarschen der Art Cymatogaster aggregata durch. Die Forscher lösten bei jedem Tier insgesamt zehn Mal die Fluchtreaktion aus, indem sie einen Plastikgegenstand auf die Wasseroberfläche fallen ließen, und filmten das Geschehen per Hochgeschwindigkeitskamera.

Bei den meisten Fischen dauerte es weniger als 50 Millisekunden, bis der erste Schwimmstoß eingeleitet begann, ergab die Analyse der Aufnahmen. Bei einigen setzte die typische Körperkrümmung dagegen erst nach über 300 Millisekunden ein. Derart verzögert reagierten nur solche Individuen, die auf der Flucht in einem Y-förmigen Kanal ähnlich häufig nach links und nach rechts abbogen.

Für die gesamte Fischgruppe war keine Bevorzugung einer Seite festzustellen – linke und rechte Seite wurden gleich oft bevorzugt und viele Fische zeigten ohnehin keine klare Vorliebe. Auf Ebene der Population werde so wiederum ein Nachteil der Lateralisation vermieden, folgern Dadda und Kollegen: Ein hungriger Räuber wisse nie im Voraus, zu welcher Seite die Beute ausbreche.

Forschung: Marco Dadda, Dipartimento di Psicologia Generale, Università degli Studi di Padova; Wouter H. Koolhaas, Department of Marine Biology, Rijksuniversiteit Groningen; Paolo Domenici, Istituto per l’Ambiente Marino Costiero, Consiglio Nazionale delle Ricerche, Oristano

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2009.0904

WWW:
Comparative Psychology Research Group, Universität Padua
Cymatogaster aggregata
Mauthner Cells in Fish
Händigkeit

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