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Fachkräfte-Zuzug in der Jungsteinzeit

Dienstag, 19. Januar 2010, 19:00 • Rubrik Anthropologie, Genetik, Kultur.

Karte Europas zeigt Mikrosatelliten-Vielfalt innerhalb der untersuchten Haplogruppe als Konturverlauf, schwarz in Anatolien, nach Norden und Westen heller werdend Die meisten europäischen Männer sind Einwanderer – zumindest aus genetischer Sicht. Das haben britische Forscherinnen bei der Analyse von 840 männlichen Geschlechtschromosomen ermittelt. Gemessen an dem von Ost nach West abnehmenden Variantenreichtum, gelangte das Erbgut mit den ersten Bauern via Anatolien nach Europa.

Die Mikrosatelliten-Vielfalt innerhalb der untersuchten Haplogruppe ist in Anatolien am höchsten und nimmt nach Westen ab. Grafik: Balaresque P et al. (2010) PLoS Biol 8(1):e1000285

“Im Gegensatz dazu scheinen die meisten mütterlichen genetischen Linien von Jägern und Sammlern abzustammen”, erklärt Patricia Balaresque von der Universität Leicester. Die beiden genetischen Muster ließen vermuten, dass die männlichen Neuankömmlinge für mehr Nachwuchs gesorgt hätten als ihre einheimischen Geschlechtsgenossen. “Wer weiß, vielleicht war es damals ja sexy, Bauer zu sein”, so die Genetikerin.

Mit dem Rückzug der Eismassen wurde Europa vor etwa 14.000 Jahren von Menschen aus südlichen Refugien wiederbesiedelt. Etwa vier Jahrtausende später breitete sich die Landwirtschaft, im fruchtbaren Halbmond entwickelt, über Europa aus. Ob damals nur Ideen und Kenntnisse übernommen wurden oder ob die Bauern selbst wanderten, ist allerdings immer noch umstritten.

Balaresque und Kolleginnen studierten nun die in Europa insgesamt häufigste Variante des männlichen Y-Chromosoms. Bei etwa 110 Millionen Europäern vorkommend, nimmt die Häufigkeit dieser Haplogruppe R1b1b2 von Südost- nach Nordwesteuropa zu. Dieser Trend spiegelt die Einwanderung in immer dünner besiedelte Gebiete wider, schreiben die Forscherinnen im Fachblatt “PLoS Biology”. Innerhalb der Haplogruppe finde sich die größte Vielfalt nämlich in Anatolien, wo die Gruppe offenbar seit rund 8.000 Jahren bestehe. In Cornwall im äußersten Südwesten Englands scheine sie dagegen erst vor etwa 5.500 Jahren angekommen zu sein.

“Insgesamt dürften mehr als 80 Prozent der europäischen Y-Chromosomen von einwandernden Bauern abstammen”, so Balaresque weiter. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen waren erst kürzlich Mainzer Anthropologen nach der Untersuchung von Jahrtausende alten Skeletten gekommen. Dabei zeigte sich, dass sich die DNA in den Knochen europäischer Jäger und Sammler deutlich von jener in den Knochen der ersten europäischen Bauern unterscheidet.

Forschung: Patricia Balaresque, Georgina R. Bowden und Mark A. Jobling, Department of Genetics, University of Leicester; und andere

Veröffentlichung PLoS Biology, Vol. 8(1), e1000285, DOI 10.1371/journal.pbio.1000285

WWW:
Arbeitsgruppe Mark Jobling, University of Leicester
Human Y-Chromosome DNA Haplogroup

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