Posted in: Chemie, Medizin 14. Januar 2010 20:00 Weiter lesen →

Fische für Pharmaka

Foto zeigt kaulquappenförmige, größtenteils transparente Fischlarve mit großen dunklen Augen Schlafen und Wachen werden bei Mensch und Fisch sehr ähnlich reguliert. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Forscher nach Versuchen mit wahren Schwärmen winziger Fischlarven. Eine ganze Reihe von Wirkstoffen, die beim Menschen beispielsweise aktivierend oder dämpfend wirken, zeitigte bei den Tieren vergleichbare Effekte.

Foto: Ian Woods und Alexander Schier

Pharmakologische Tests an Fischen könnten daher gleich doppelt nützlich sein, schreibt die Gruppe um Alexander Schier von der Harvard University im Magazin „Science“. Einerseits könnten sie helfen, neue Wirkstoffe, etwa gegen Unruhe oder Schlafstörungen, zu finden. Andererseits könnten sie dazu beitragen, die biochemische Steuerung von Schlaf- und Wachzustand im Detail aufzuklären.

Schier und Kollegen führten ihre Tests mit dem Zebrabärbling (Danio rerio) durch. Als „Fischfarmen“ dienten transparente Plastikplatten mit regelmäßig angeordneten Vertiefungen. In jede dieser Vertiefungen gaben die Forscher Flüssigkeit, eine vier Tage alte Fischlarve und schließlich noch eine Testsubstanz. Dann ließen sie die Miniatur-Aquarien von einem Kamerasystem überwachen, das 60 Stunden lang jede Bewegung der kaum vier Millimeter großen Larven registrierte.

Auf diese Weise testeten die Forscher 5.648 verschiedene Substanzen an jeweils zehn Fischlarven. Sie fanden, dass 547 davon die Aktivität der Fische deutlich beeinflussten. Pharmazeutische Wirkstoffe mit gleichen Zielmolekülen riefen dabei meist auch gleiche Veränderungen im Verhalten der Fische hervor – nicht selten ähnliche wie beim Menschen.

Beispielsweise wirkten Clonidin und verwandte Wirkstoffe, die in der Medizin als Blutdrucksenker und zur Linderung von Entzugserscheinungen eingesetzt werden, auf die Fische wie ein Beruhigungsmittel. Umgekehrt wirkten Clenbuterol und verwandte Substanzen auf die Fischlarven aktivierend, ähnlich einer beim Menschen auftretenden Nebenwirkung.

Mitunter waren die Effekte auf Ruhe- und Wachverhalten jedoch überraschend. So fanden die Forscher, dass verschiedene Entzündungshemmer häufigere Bewegungen in der Aktivitätsphase hervorriefen. Zwar wisse man seit langem, dass solche Verbindungen bei einer Infektion den Schlaf förderten, so Schier. „Unsere Beobachtung lässt jedoch vermuten, dass Moleküle mit regulierender Wirkung auf das Immunsystem auch die normale Tagesaktivität beeinflussen.“

Forschung: Jason Rihel, David A. Prober und Alexander F. Schier, Department of Molecular and Cellular Biology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 327, 15. Januar 2010, pp 348-51, DOI 10.1126/science.1183090

WWW:
Department of Molecular and Cellular Biology, Harvard University
Zebrabärbling

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wirkstoffe von der Wurmfarm
Drogenfester Fisch
Lehrreiche Nebenwirkungen


Posted in: Chemie, Medizin
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (3 Bewertungen, im Schnitt 4,67 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.