Posted in: Biologie 12. Januar 2010 13:19 0 Kommentare Weiter lesen →

Grille bestäubt Orchidee

Foto zeigt hellbraune Grille mit kräftigen Springerschenkeln und mehr als körperlangen Antennen Wenn es um die Fortpflanzung geht, setzen Pflanzen häufig auf tierische Helfer. Einen verblüffenden Fall einer solchen Beziehung haben französische und englische Forscher auf der Insel Réunion im Indischen Ozean entdeckt. Bei der Videoüberwachung einer dort wachsenden Orchidee fanden sie, dass die Pflanze von einer nachtaktiven Grille bestäubt wird.

Foto: Claire Micheneau und Jacques Fournel

Das ungewöhnliche Duo stelle den ersten bekannten Fall einer Blütenpflanze dar, die sich durch eine Springschrecke bestäuben lasse, erklärt Claire Micheneau von der Université de La Réunion. Damit nicht genug, gehört die hilfreiche Grille zu einer bislang unbekannten Art, berichten die Forscherin und ihre Kollegen in den “Annals of Botany”.

Gemeinsam mit ihren Kollegen vor Ort und von den Royal Botanic Gardens, Kew, studiert Micheneau seit einigen Jahren die Bestäubung bei Orchideen der Gattung Angraecum. Die Pflanzen werden andernorts durch Schmetterlinge bestäubt, wie sie auf Réunion allerdings nicht vorkommen. Bereits früher hatte die Forscherin beobachtet, dass zwei Angraecum-Vertreterinnen stattdessen von Brillenvögeln bestäubt werden.

Im Falle einer dritten Art, Angraecum cadetii, ließ sich die Identität des Bestäubers allerdings erst mit einigem Aufwand feststellen. “Durch die Überwachung des in den Blüten enthaltenen Pollens wussten wir, dass eine Bestäubung stattfand”, so Micheneau. “Tagsüber konnten wir sie aber nicht beobachten. Also installierten wir eine Nachtsichtkamera und erwischten diese Grille in flagranti.”

Micheneau und Kollegen ordnen die Grille der Gattung Glomeremus zu. Die Tiere haben es auf Nektar abgesehen, den die Orchidee in einem trichterartig ausgezogenen Blütenblatt bildet. Um an die süße Flüssigkeit in diesem Nektarsporn zu kommen, müssen sie tief in die weiß-grünlich gefärbte Blüte kriechen. Dabei werden sie nebenbei mit Pollen befrachtet, den sie an einer anderen Blüte wieder abgeben können. Diese Aufgabe erledigen die Springschrecken erstaunlich gut: ihre Erfolgsquote, gemessen am Anteil der fruchtbildenden Blüten, liegt bei etwa 20 Prozent und damit doppelt so hoch wie bei den Brillenvögeln.

Forschung: Claire Micheneau und Dominique Strasberg, Peuplements Végétaux et Bioaggresseurs en Milieu Tropical, CIRAD-Université de La Réunion, Saint-Denis; Mark W. Chase, Jodrell Laboratory, Royal Botanic Gardens, Kew, Richmond; und andere

Veröffentlichung Annals of Botany, DOI 10.1093/aob/mcp299

WWW:
Laboratoire PVBMT, Université de La Réunion
Royal Botanic Gardens, Kew
Orchideen

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Orchidee duftet nach Beute
Heuschrecken sind Neuseelands Mäuse


Posted in: Biologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (4 Bewertungen, im Schnitt 5.00 von 5)
Loading...Loading...

Drucken Drucken


Möchten Sie kommentieren?