Posted in: Biologie, Psychologie, Soziales 7. Januar 2010 20:00 Weiter lesen →

Soziale Kontrolle im Riff

Foto zeigt schlanken Putzerfisch mit schwarz-gelben Längsstreifen, am Auge eines deutlich größeren, silbrig-türkis beschuppten Klienten stehend Nicht nur Menschen, auch Putzerfische achten untereinander auf die Einhaltung von Regeln. Entsprechende Resultate präsentiert ein internationales Forschertrio im Magazin „Science“. Knabbert ein Putzerfischweibchen einen Klienten an und verscheucht ihn dadurch, wird es von seinem Partner bestraft – mit Erfolg.

Foto: Courtesy of Richard Smith

Der Nutzen für das Männchen liege in einem vollen Magen, erklärt Nichola Raihani von der Zoological Society of London: „Wenn das Weibchen ein falsches Spiel treibt, kann das bedeuten, dass dem Männchen eine Mahlzeit entgeht.“ Anders als in der menschlichen Gesellschaft, wo unbeteiligte Dritte nicht selten Nachteile in Kauf nähmen, um andere für Vergehen zu bestrafen, sei der Vorteil im Falle der Putzerfische also nur wenig indirekt und durchaus auf der Ebene des Individuums nachvollziehbar.

Putzerfische ernähren sich von Hautparasiten, die sie anderen Fischen an Putzerstationen im Riff vom Leib picken. Damit dieses System dauerhaft funktionieren kann, müssen sich beide Seiten an gewisse Regeln halten: die häufig deutlich größeren Klienten dürfen sich die Putzer nicht als bequeme Zwischenmahlzeit einverleiben, während die Putzer sich nicht über die nahrhafte Haut der Klienten hermachen dürfen.

Raihani und ihre Kollegen gingen früheren Beobachtungen nach, denen zufolge männliche Putzerlippfische (Labroides dimidiatus) ihre Partnerinnen für das Anknabbern eines Klienten bestrafen. Die Forscher präparierten dazu Scheiben aus Plexiglas mit Trockenfutter und Krabbenstückchen und hielten sie als „Klienten“ in ein Becken mit einem Putzerfisch-Paar.

Sobald das Weibchen von dem Krebsfleisch fraß, zogen die Forscher die Scheibe vorübergehend weg. Oft wurde das Weibchen daraufhin von dem Männchen drangsaliert und durch das Becken gejagt. In der Folge kamen „Fehltritte“ seitens des Weibchens deutlich seltener vor und das Männchen konnte im zweiten Anlauf mehr Trockenfutter fressen, beobachteten Raihani und Kollegen. Ihrer Ansicht nach könnte die soziale Kontrolle unter Putzerfischen vielleicht helfen, die Entwicklung rein altruistischen Verhaltens beim Menschen zu verstehen.

Forschung: Nichola J. Raihani, Institute of Zoology, Zoological Society of London; Alexandra S. Grutter, School of Biological Sciences, University of Queensland, Brisbane; Redouan Bshary, Institut de Biologie, Université de Neuchâtel

Veröffentlichung Science, Vol. 327, 8. Januar 2010, p 171, DOI 10.1126/science.1183068

WWW:
Behavioural and Population Ecology, ZSL-Institute of Zoology
Coral Reef Ecology Lab, Lexa Grutter
Laboratoire d’Éco-éthologie, Université de Neuchâtel
Putzersymbiose

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Blau-gelbe Putztruppe
Putzerfische tanzen den Beschwichtigungstanz


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