Krötenweibchen müssen nicht jede Kröte schlucken

6. Januar 2010 01:01 Drucken

Bufo marinus Wenn Kröten sich bedroht fühlen, können sie sich regelrecht aufblasen. Neben der Abwehr von Fressfeinden erfüllt dieser Mechanismus noch eine zweite Funktion, lassen Experimente niederländischer und australischer Biologen vermuten. Weibliche Kröten nutzen ihn möglicherweise, um die Konkurrenz unter ihren Verehrern zu befeuern.

Foto: Juulijs /Fotolia

Paarungsbegierige Männchen können sich an aufgepumpten Weibchen nur schlecht festklammern und werden umso eher von größeren Geschlechtsgenossen verdrängt, berichten die Forscher um Richard Shine von der Universität Sydney im Fachblatt “Biology Letters”. Da der Befruchtungserfolg bei Kröten umso größer sei, je näher die Körpermasse des Männchens an die des typischerweise größeren Weibchens heranreiche, liege der potenzielle Nutzen auf der Hand.

Krötenweibchen lassen sich vermutlich von der Tonlage der männlichen Rufe leiten, um zu einem besonders geeigneten Partner zu finden. Auf dem Weg können sie allerdings von einem anderen Männchen abgefangen werden, das ihren Leib umschlingt und seinen Griff möglichst erst nach dem Ablaichen wieder lockert. Solchen unliebsamen Partnern sind die Weibchen aber nicht hilflos ausgeliefert, vermuten Shine und Kollegen.

Die Biologen maßen zunächst den “Aufblasdruck” weiblicher Agakröten (Bufo marinus), indem sie ihnen Blutdruck-Messmanschetten um den vergleichsweise riesenhaften Leib legten und diese langsam aufpumpten. Größere Exemplare mussten erst bei einem Überdruck von etwa 70 Millimeter Quecksilbersäule (entsprechend rund 9.300 Pascal oder knapp einem Zehntel des Atmosphärendrucks) die Luft aus ihrem Brustkorb entweichen lassen.

Versuchsweise legten die Forscher männlichen Kröten ein Schultergeschirr an, das sie mit einem Arm einer Balkenwaage verbanden. Hatten die Männchen ein nicht aufgeblasenes Weibchen umklammert, musste der andere Arm der Waage mit einer Masse von 1,2 Kilogramm belastet werden, um die Verehrer zum Lösen ihres Griffs zu bewegen. An solchen Weibchen konnten sich auch kleine Männchen gegen ihre Konkurrenz behaupten. Bei aufgeblasenen Weibchen genügten dagegen schon 0,6 Kilogramm, kleinere Männchen an solchen Weibchen wurden in jedem zweiten Fall von größeren Rivalen verdrängt.

“Unsere Experimente zeigen, dass weiblichen Froschlurchen auch dann noch eine Wahlmöglichkeit bleibt, wenn sie von einem weniger geeigneten Männchen umklammert werden”, folgern Shine und seine Kollegen. Diese Funktion des Sich-Aufblasens sei bislang vermutlich übersehen worden, weil man es als Reaktion auf das Herumstoßen, Treten und Umwerfen durch liebestolle Verehrer angesehen habe.

Forschung: Bas Bruning, Institute of Ecological Science, Vrije Universiteit, Amsterdam; Benjamin L. Phillips und Richard Shine, School of Biological Sciences, University of Sydney

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2009.0938

WWW:
Ecological Science, Vrije Universiteit Amsterdam
Shine Lab, University of Sydney
Paarung bei Froschlurchen

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