Bienen landen mit Bedacht

23. Dezember 2009 19:50 Drucken

Foto zeigt Honigbienen, mit Pollen dicht bepackt, vor dem Einflugloch ihres Stocks Anders als halsbrecherische Stubenfliegen, gehen Honigbienen bei der Landung mit ausgesuchter Sorgfalt vor. Das haben australische und schwedische Forscher beobachtet. Die pelzigen Brummer bremsen kurz vor der Oberfläche ab und tasten sich dann im wahrsten Sinne des Wortes mit Beinen und Fühlern an das Ziel heran. Erst dann erfolgt das eigentliche Aufsetzen.

Foto: Bajic Igor via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

“Wie jeder Pilotenschüler weiß, ist die Landung ganz besonders knifflig”, erklärt Mandyam Srinivasan von der University of Queensland und vom Vision Centre des australischen Forschungsrates. “Geschwindigkeit, Anflugwinkel, Entfernung und Aufsetzpunkt richtig hinzubekommen, erfordert ein hohes Maß an Koordination. Im Fall der Biene kommt noch hinzu, dass die Landung auf einer schrägen Fläche oder sogar kopfüber erfolgt.”

Frühere Studien hatten sich zwar mit dem Landeanflug der Biene beschäftigt, über die letzte Phase des Manövers war bislang jedoch kaum etwas bekannt. Um das zu ändern, trainierten Srinivasan und seine Kollegen Honigbienen (Apis mellifera) darauf, Zuckerwasser aus einer farbig markierten Quelle zu trinken, die nach Belieben aus der Horizontalen gekippt werden konnte. Mit Hochgeschwindigkeitskameras verfolgten sie in ihrer Allwetter-Bienenfluganlage, wie die pelzigen Probanden die Landung meisterten.

Das gesamte Manöver lässt sich in drei Phasen unterteilen, berichtet die Gruppe im “Journal of Experimental Biology”. Die erste Phase endet, wenn die Biene der Oberfläche so nahe ist, dass der Ansatz ihrer Antennen – unabhängig vom Kippwinkel der Landeplattform – exakt 16 Millimeter davon entfernt ist. Einen Moment lang schwebt das Tier nun beinahe regungslos in der Luft.

Je nach Neigung der Landeplattform, sind zu diesem Zeitpunkt die Hinterbeine oder die Antennenspitzen der Oberfläche am nächsten. Die Biene verringert nun vorsichtig den Abstand, bis Fuß oder Antenne die Oberfläche berühren und lässt sich dann langsam nieder bzw. schwingt beherzt ihren Leib herum, um die Oberfläche mit den Vorderbeinen zu packen und die übrigen Beine nachzuziehen.

Das Manöver und seine Präzision seien in doppelter Hinsicht erstaunlich, so Srinivasan. Man habe nicht damit gerechnet, dass die Antennen eine Rolle bei der Landung spielten und dabei sogar als Taster dienten. Zudem seien Honigbienen offenbar in der Lage, Entfernung und Neigung einer Oberfläche zu bestimmen, wenn sich diese kaum noch in ihrem Gesichtsfeld bewege. Diese Beobachtung lege die Vermutung nahe, dass die Tiere mit ihren Facettenaugen zu einem echten Tiefensehen fähig seien.

Forschung: Carla Evangelista, Peter Kraft, Marie Dacke, Judith Reinhard und Mandyam V. Srinivasan, Queensland Brain Institute, University of Queensland, Brisbane, Australian Research Council Centre for Excellence in Vision Science, Australian National University, und Institutionen för cell- och organismbiologi, Lunds universitet

Veröffentlichung Journal of Experimental Biology, Vol. 213, pp 262-70, DOI 10.1242/jeb.037465

WWW:
Queensland Brain Institute
Lund Vision Group
Biologie der Honigbiene
The World Through the Eyes of a Bee
Bee Aerodynamics

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Landebahn eines Flugsauriers entdeckt
Bienen erkennen Menschen – auch zappelige
Baumelnde Beine stabilisieren Bienen


Kommentare und Trackbacks

1 Kommentar to “Bienen landen mit Bedacht”

  1. Bodo zu 28. Dezember 2009 13:29

    Wer Bienen hält weiß das schon lange, so ein Blödsinn das sich da extra irgendwelche Wissenschaftler mit befassen müssen. Hätten ja irgend einen Imker fragen können. ( Käme billiger ) lol

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