Immunzellen quetschen sich durch

21. Dezember 2009 18:34 Drucken

Mikroskopaufnahme zeigt Dendritische Zellen als rot fluoreszierende Kügelchen zwischen grün fluoreszierenden Gefäßen, schwarzer Hintergrund Wenn alarmierte Abwehrzellen zu den Lymphknoten eilen, geht es vergleichsweise hemdsärmelig zu. Martinsrieder Forscher haben entdeckt, dass die Zellen nicht etwa auf biochemische Kniffe setzen, um sich den Weg in die Lymphgefäße zu bahnen. Stattdessen quetschen sie sich mit Nachdruck durch feine Öffnungen in der Gefäßwand.

Dendritische Zellen (rot) beim Übergang in Lymphgefäße. Bild: Michael Sixt, Copyright Max-Planck-Institut für Biochemie

“Die Zelle schiebt dabei einen Zellausläufer in die Öffnung”, beschreibt Michael Sixt vom Max-Planck-Institut für Biochemie den Ablauf. “So blockiert sie wie mit einem Fuß in der Tür den Eingang, dehnt die Öffnung leicht auf und schiebt sich dann hindurch.”

Sixt und sein Kollege Holger Pflicke beobachteten das vertreterhafte Vorgehen bei Dendritischen Zellen, den Spähern des Immunsystems. Haben diese Zellen einen Eindringling entdeckt, streben sie zum nächstgelegenen Lymphknoten, um die dort stationierten Abwehrzellen zu aktivieren. Wie sie aus dem Gewebe in ein Lymphgefäß und damit auf die Expressroute zum Lymphknoten gelangen, war bislang unbekannt.

Anders als beim Übergang in Blutgefäße, kommt dabei kein Proteinwerkzeug zum Einsatz, konnten Sixt und Pflicke nachweisen. Ihre Mikroskopaufnahmen zeigten, dass Dendritische Zellen mechanische Kräfte walten lassen, um sich zunächst durch die elastische Schicht aus Bindegewebsproteinen zu quetschen, die ein Lymphgefäß umgibt. Die folgende Wand aus Endothelzellen macht weniger Mühe, beobachteten die Forscher. Hier gibt es ventilartige Klappen, die sich wie Falltüren in nur eine Richtung öffnen, nämlich in das Gefäß hinein. Ist eine Zelle durch eine solche Klappe geschlüpft, trägt sie der Lymphstrom automatisch ans Ziel.

Das Wissen um die Wanderung der Dendritischen Zellen in die Lymphgefäße könnte vielleicht auch helfen, das Streuen von Krebs im Körper zu verstehen und zu verhindern, hofft Sixt. “Es ist wahrscheinlich, dass Tumorzellen ähnliche Mechanismen benutzen, wenn sie in Lymphgefäße eindringen, um schließlich im Lymphknoten Metastasen zu bilden.”

Forschung: Holger Pflicke und Michael Sixt, Max-Planck-Institut für Biochemie, Martinsried

Veröffentlichung Journal of Experimental Medicine, DOI 10.1084/jem.20091739

WWW:
Arbeitsgruppe Michael Sixt, MPI für Biochemie
Lymphsystem

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