Posted in: Anthropologie, Biologie, Klima, Umwelt 16. Dezember 2009 13:22 Weiter lesen →

Ein Zahn für schlechte Zeiten

Bild zeigt menschliche Hand, die zwei Unterkiefer mit unterschiedlichem Gebiss hält Der Bau der Zähne spiegelt nicht unbedingt die bevorzugte Nahrung eines Tieres wider. Das haben amerikanische Forscher am Beispiel von Menschenaffen zeigen können. Deren Backenzähne scheinen vornehmlich an harte Kost angepasst zu sein, auf die die Tiere in schlechten Zeiten verstärkt zurückgreifen.

Bild: NIST

Bei näherer Betrachtung erscheine dieser Zusammenhang durchaus logisch, erläutert Paul Constantino von der George Washington University. „In Zeiten knapper Ressourcen ist die natürliche Selektion besonders strikt im Aussortieren weniger gut angepasster Individuen“, so der Anthropologe. „Individuen, die nicht über die notwendige Ausstattung zum Überstehen schlechter Zeiten verfügen, werden ihre Gene kaum an die nächste Generation weitergeben.“

Gemeinsam mit seinem Kollegen Paul Lucas sowie zwei Materialwissenschaftlern vom National Institute of Standards and Technology analysierte Constantino das Gebiss von Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans. Der Speisezettel aller drei Menschenaffen umfasst zu einem großen Teil Früchte. Sind diese gerade knapp, halten sich Gorillas stärker an Blätter und Zweige, während Orang-Utans auf Nüsse und Samen ausweichen. Dagegen verlegen Schimpansen die Nahrungssuche in ein anderes Gebiet.

Mit diesen Strategien lassen sich Form und Bau der Backenzähne der drei Arten erklären, berichten die Forscher im „American Journal of Physical Anthropology.“ Die breiten Backenzähne der Gorillas eignen sich gut zum Zermahlen zäher pflanzlicher Kost, während die Backenzähne der Orang-Utans einen besonders dicken Zahnschmelz aufweisen und daher harte Objekte problemlos knacken können.

„Es nicht unwahrscheinlich, dass die Ausweichnahrung auch die Form von Kiefer und Schädel beeinflusst hat“, vermutet Constantin. Die neuen Resultate verdeutlichten, dass beim Schutz der Menschenaffen der gesamte Speisezettel berücksichtigt werden müsse. „Im Falle des Orang-Utans beispielsweise, schlagen Holzfirmen eben jene Bäume, die die Ausweichnahrung liefern“, so der Forscher. In schlechten Zeiten ständen die Tiere daher vor einem Dilemma.

Forschung: Paul J. Constantino und Peter W. Lucas, Department of Anthropology, George Washington University, Washington, D.C.; James J.-W. Lee und Brian R. Lawn, Ceramics Division, National Institute of Standards and Technology, Gaithersburg, Maryland

Veröffentlichung American Journal of Physical Anthropology, Vol. 140(4), pp 653-60, DOI 10.1002/ajpa.21096

WWW:
Center for the Advanced Study of Human Paleobiology, George Washington University
Ceramics Divions, NIST
Primate Facts

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