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Der Krake in der Kokosnuss

Montag, 14. Dezember 2009, 18:00 • Rubrik Biologie, Psychologie.

Foto zeigt kleinen rotbräunlichen Kraken mit hellen Saugnäpfen am Meeresboden aus feinem grauen Sand, einige dunkelgrüne Algen Einen verblüffenden Fall von Werkzeuggebrauch haben australische Zoologen im indonesischen Meer beobachtet. Dort lebende Kraken schleppen leere Kokosnussschalen mit sich herum, in die sie sich bei einer Störung zurückziehen.

Foto: Jens Petersen via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike 3.0)

So nützlich der transportable Panzer bei Gefahr sein mag, so hinderlich ist er bei der Fortbewegung, berichten die Forscher um Julian Finn vom Museum Victoria im Fachblatt “Current Biology”. Aufgrund dieses nur temporären Nutzens erfülle das Verhalten der Kraken auch die strengsten Kriterien für die Einstufung als Werkzeuggebrauch – anders als etwa das permanente Hausen in einer Schneckenschale bei Einsiedlerkrebsen.

Der Gebrauch von Werkzeugen galt lange Zeit als dem Menschen vorbehalten. Nach und nach zeigte sich jedoch, dass auch Primaten, Delfine und Vögel Objekte aus der Umwelt zielgerichtet einsetzen. Finn und Kollegen fanden nun das erste eindeutige Beispiel für solches Verhalten bei einem Wirbellosen, dem etwa faustgroßen Amphioctopus marginatus.

Während insgesamt 500 Tauchstunden vor Bali und Sulawesi konnten die Forscher 20 Individuen beobachten, die leere Kokosnussschalen als Schutz nutzten. Vier dieser Tiere kamen schließlich aus ihrer Trutzburg hervor und trollten sich. Dazu stapelten sie die Schalenteile wie Schüsseln ineinander, klemmten sie in ihren Armkranz und stelzten mehr oder weniger unbeholfen auf ihren versteiften Armen davon.

“Noch nie habe ich unter Wasser derart lachen müssen”, erinnert sich Finn an seine erste Beobachtung des Verhaltens. “Der Krake hantierte so eifrig mit den Kokosnussschalen, dass klar war, dass er irgendetwas im Schilde führte. Aber keinesfalls hätte ich gedacht, dass er den Schalenstapel fassen und damit weglaufen würde. Der Anblick war zu komisch!”

Forschung: Julian K. Finn und Mark D. Norman, Museum Victoria, Melbourne, und Department of Zoology, La Trobe University, Bundoora; Tom Tregenza, School of Biosciences, University of Exeter, Penryn

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 19(23), R1069-R1070

WWW:
Museum Victoria
- Coconut carrying octopus
Veined Octopus
Tool Use in Animals

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